Max Grundig, einer der letzten großen Pionierunternehmer in Nachkriegsdeutschland, gibt nicht auf: Gerade von einer langen Krankheit genesen, scheint der 71jährige fest entschlossen, seinem Lebenswerk, den Grundig-Werken, die gefährdete Eigenständigkeit zu erhalten.

Allein, so weiß man seit Sommer vorigen Jahres, als Philips sich mit knapp 25 Prozent bei Grundig beteiligte, kann das Unternehmen gegen den Angriff der Japaner auf dem Markt für Unterhaltungselektronik nicht mehr bestehen. Branchenführer Grundig sah sich zur Anlehnung an den großen Bruder Philips gedrängt, weil vor allem, japanische Elektrokonzerne ihm am Hi-Fi-Markt, aber auch mit Videorecordern und TV-Geräten das Leben immer schwerer machten. „Wer kann denn den Japanern in Europa Paroli bieten?“ fragte Max Grundig damals und antwortete selbst: „Doch nur Philips und Grundig.“

Front gegen die Japaner

Heute denkt der alternde Fürther Selfmademan an einen Dritten im Bunde. Denn der drohenden Dominanz des holländischen Elektrokonzerns im eigenen Haus will er jetzt offenbar einen zweiten Partner entgegenstellen: die Siemens AG, den größten deutschen Elektromulti. Gerüchte über eine geplante Siemens-Minderheitsbeteiligung von etwa zehn Prozent (siehe ZEIT vom 15. Februar) waren in der vorigen Woche Grund genug, bereits von einer „europäischen Abwehrfront“ (Handelsblatt) gegen die Japaner zu sprechen.

Gut waren die Beziehungen zwischen Siemens und Grundig immer. Siemens ist nach Philips zweitgrößter Bauelemente-Lieferant Grundigs: Der Umsatz zwischen den beiden Firmen dürfte in diesem Jahr hundert Millionen Mark deutlich übersteigen. Max Grundig und Siemens-Chef Bernhard Plettner verstehen sich, und es ist kein Geheimnis, daß sich ihre Ansichten über die Notwendigkeit, der europäischen Geräteindustrie den Rücken zu stärken, weitgehend decken.

Das paßt gut, denn gerade neuerdings schenkt Siemens der Unterhaltungselektronik wieder mehr Beachtung. 1961 war zwar die eigene Rundfunk- und Fernsehgeräteproduktion aufgegeben worden. Innerhalb der Bosch-Siemens Hausgeräte GmbH dominierte die „weiße Ware“ (Waschmaschinen und Kühlschränke) weit vor der braunen. Größtenteils wurden die Geräte, die Siemens unter eigenem Namen verkaufte, von der Bosch-Tochter Blaupunkt bezogen, an der Siemens indirekt einen Minderheitsanteil hält. In der Branche hieß es geringschätzig, dabei handele es sich überwiegend um „Belegschaftsgeschäft“.

Seit einiger Zeit aber trommelt die Siemens Electrogeräte GmbH wieder lauter für ihre Farbfernseher, und auf der Berliner Funkausstellung präsentierte sie ein eigenes Hi-Fi-Programm. Das allerdings stammt aus japanischer Produktion. Geliefert wird es, nach Siemens-Konzept und -Design, vom Nippon-Hersteller Sanyo.