Zwischen der FDP und ihrer Jugendorganisation gibt es keine politische Gemeinsamkeit mehr

Von Ulrich Völklein

Grünberg, im März

Als Kleingärtner und Karnickelzüchter wollen die Jungdemokraten nicht verkommen. Zu einem „Flohzirkus“ ist der rund 20 000 Mitglieder zählende Jungtürken-Bund aus Schülern und Studenten nach Auffassung von Wirtschaftsminister Graf Lambsdorff gleichwohl längst geworden: „Bloß nicht so lustig.“ Die Meinungen sind also geteilt. Ungeteilt und ungeschmälert hingegen ist nach der jüngsten Bundesdelegiertenkonferenz des der FDP nahestehenden Verbandes die Wirklichkeitsferne und Selbstüberschätzung der Jugendorganisation. Sie möchte „politischer Durchlauferhitzer“ sein und hat sich eine „emanzipatorische und antikapitalistische Linksprofilierung“ der Freien Demokraten zum Ziel gesetzt. Stärker könnte sie sich nicht übernehmen.

Der Bruch blieb aus

Meinungsverschiedenheiten zwischen den aufmüpfigen Jungdemokraten und ihrem eher betulichen Hausvater Genscher sind nicht eben neu. Auch dessen öffentliche Erklärung, daß die Jungdemokraten der FDP „noch nie so ferngestanden“ hätten, war nicht eigentlich an den Tag gebunden und zählte eher zum gewohnten Schlagabtausch. Erstaunlich schien vor dem jährlichen Treffen der einhundert Delegierten allenfalls, daß auch sämtliche FDP-Politiker der linken Riege ihre Abwesenheit von der Konferenz nicht einmal mehr mit Terminüberlastung zu bemänteln versuchten.

Lediglich der Berliner Alt-Liberale William Borm (84) und der Bundestagsabgeordnete Wolf-Dieter Zumphort waren dann doch noch ins Hessische gereist, um, wie es William Borm schiedlich-friedlich ausdrückte, noch einmal „alles zu versuchen, die Jungdemokraten an die FDP heranzuführen und andererseits der Partei begreiflich zu machen, daß sie ohne qualifizierten Nachwuchs aus der Jugend verkümmert“.