Von Kurt Wendt

Für deutsche Bankiers und Börsianer ist wieder eine magische Zahl erreicht, eine Barriere, wie sie die Flieger in der Schallmauer sehen: die Zehn. Zum erstenmal seit sechs Jahren werden auf dem deutschen Kapitalmarkt wieder Wertpapiere mit einem Zins von zehn Prozent angeboten.

„Nun kann es nicht mehr viel schlimmer kommen“, meint Wolfgang Röller, der im Vorstand der Dresdner Bank für das Wertpapiergeschäft zuständig ist. Schlimm genug ist es, bisher gewesen: Innerhalb von nur sieben Wochen sanken die Aktienkurse um zehn Prozent; und wegen der steigenden Zinsen waren die Notierungen der festverzinslichen Papier schon im vergangenen Jahr auf die schiefe Bahn geraten.

Ist nun, mit dem Zehnprozenter, das Ende der Rutschbahn in Sicht? Damals, vor sechs Jahren* bildete er den Schlußpunkt des durch die Bremspolitik der Bundesbank verursachten Zinsanstiegs. Und die lebhafte Nachfrage nach der neuen zehnprozentigen Bundesanleihe läßt erkennen, daß viele Anleger davon ausgehen, der Zinsgipfel sei nun erreicht. Und damit wäre auch zu erwarten, daß die Talfahrt der Kurse ein Ende hat.

Ein totaler Fehlschlag

Wolfgang Röller möchte zwar nicht ausschließen, daß die Rendite von Wertpapieren in den nächsten Wochen noch etwas über die zehn Prozent hinaussteigt, doch am Jahresende, so meint er, werden die Zinsen wieder niedriger sein als heute.

Wie die Besitzer festverzinslicher Wertpapiere auf solche Voraussagen reagieren werden, steht allerdings dahin. Immerhin haben sie in den letzten Jahren beträchtliche Kurseinbußen hinnehmen müssen. Sie sind mit Prognosen gefüttert worden, die sich später als unrealistisch erwiesen. Besonders die Zinsprognosen, die am Jahresende von den Banken für 1980 gemacht wurden, sind ihnen noch zu frisch, in Erinnerung.