1979 war das zweitschlechteste Bankenjahr des abgelaufenen Jahrzehnts. Kritischer war nur noch das Geschäftsjahr 1973, als die Bundesbank ebenfalls mit Hilfe hoher Zinsen die Inflation in den Griff zu bekommen suchte. Haben die Kreditinstitute aus den Erfahrungen von damals gelernt?

Eine Analyse der Großbankenabschlüsse läßt deutlich werden: Die Fehler für die unbefriedigende Ertragslage wurden nicht 1979, sondern in den Jahren vorher gemacht, als die Institute glaubten, mit Hilfe von langfristigen Krediten zu festen Zinssätzen ihr Geschäft ausweiten zu müssen.

Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn die Banken diese Kredite auch hundertprozentig langfristig refinanziert hätten. Doch das war bei weitem nicht der Fall. Sie verfielen in den alten Fehler, nur kurzfristig zu niedrigen Zinsen zur Verfügung stehendes Geld zu höheren Zinsen langfristig auszuleihen. Das bringt Ertrag, so lange die Einlagenzinsen niedrig bleiben. In dem Augenblick aber, in dem die Einlagenzinsen höher liegen als die Schuldzinsen bei den langfristig gewährten Krediten, wird die Lage kritisch.

Dieser Fehler wirkte 1979 um so verhängnisvoller, als Universalbanken durch die Hochzinspolitik noch an anderer Stelle empfindlich getroffen wurden, nämlich an ihren Wertpapierbeständen, auf die beträchtliche Abschreibungen vorgenommen werden mußten. Über den Umfang pflegen sich die Bankvorstände meist auszuschweigen. Bei der Commerzbank dürften sie 1979 ziemlich exakt bei 120 Millionen Mark gelegen haben, von der Dresdner Bank wird großzügig eine Spanne zwischen 100 und 200 Millionen Mark angegeben, wobei die „Wahrheit“ wohl näher an 200 als an 100 Millionen herankommt. Die Deutsche Bank – so läßt sich schätzen – liegt zwischen den beiden.

Es spricht für die Solidarität ihrer Bilanzierungsweise, wenn die Großbanken darauf verzichtet haben, ihren Effektenabschreibungsbedarf durch schlichte Buchungstricks zu verringern, nämlich durch Überführung eines Teiles ihrer Wertpapiere ins Anlagevermögen. Auf die so auf die Reise geschickten Papiere hätte man nicht abzuschreiben brauchen.

Am einfachsten hatte es die Dresdner Bank, ihre Wertpapierabschreibungen auszugleichen. Dazu standen ihr nicht nur die im Devisenhandel erzielten Gewinne, sondern wahrscheinlich mehr als 200 Millionen zur Verfügung, die sie an ihren umfangreichen Goldgeschäften verdient hat. Natürlich sind das nicht nur Provisionen, sondern auch Überschüsse aus sogenannten Eigengeschäften, also aus Goldbeständen, die auf eigene Rechnung gehalten worden sind und die zeitweise – so ist zu hören – 500 Millionen Mark an Wert hatten.

Bei der Commerzbank war die Eliminierung der Effektenabschreibungen schon schwieriger. „Wir haben sie durch realisierte Kursgewinne ausgeglichen“, hatte ihr Vorstandssprecher Robert Dhom auf der Bilanzpressekonferenz erklärt. Angesichts der schon im vergangenen Jahr miesen Börsentendenz hätte das Bewunderung verdient.