Die Frontstaaten suchen Hilfe

Von Gabriele Venzky

Durch die schwarzen Staaten des südlichen Afrika bläst wieder der Wind des Wandels. Er bläst stärker als je zuvor und überdies in ungewohnte Richtung. Nämlich nach Westen.

Am deutlichsten wird der Umschwung der politischen Großwetterlage in Moçambique. Seit Wochen mehren sich die Signale, daß das sozialistische Land eine stärkere Bindung an den Westen sucht, wenn auch nur im wirtschaftlichen Bereich. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte dieser seit Monaten vorbereitete Schwenk am vergangenen Wochenende. Im Gefolge einer weitreichenden Kabinettsumbildung mußten zwei der höchsten Funktionäre der marxistischen Einheitspartei Frelimo ihre Ministerposten abgeben. Besonders bedeutsam ist, daß einer, Planungsminister Marcelino dos Santos, bisher als Moskaus verläßlichster Statthalter in Maputo galt. Sein Sturz ist ein Markstein in der kurzen Geschichte des nachkolonialen Moçambique. Denn für alle Welt sichtbar ist Staatschef Samora Machel damit auf Distanz zum Kreml gegangen.

Sozialismus gleich Unabhängigkeit

Auch im benachbarten Rhodesien macht sich Macheis neue Linie allenthalben bemerkbar. Den neugewählten Ministerpräsidenten Robert Mugabe hat er davon überzeugen können, wie entscheidend es ist, die Weißen mit ihrem Know-how auch nach der Unabhängigkeit im Lande zu behalten und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Viel Überredungskunst brauchte es offenkundig nicht. Mugabe operierte mit seinen Guerrilleros von Moçambique aus und hat sich über Jahre hinweg aus erster Hand informieren können, welch katastrophale Folgen der überstürzte Exodus der Weißen dort gehabt hat. Zwei weiße Minister im Kabinett, die Bestätigung des weißen Armee-Oberbefehlshabers in seinem Amt und der Verzicht auf drastische Enteignungsaktionen sind der Beweis dafür, daß Mugabe seine Lektion gelernt hat.

Wenn das Land in der kommenden Woche als Zimbabwe in die Unabhängigkeit entlassen wird, werden bei den Feierlichkeiten die DDR, Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei fehlen. Als willigste Helfershelfer der Sowjetunion in Afrika haben sie demonstrativ keine Einladung bekommen. Bulgarien, auch ein treuer Sowjet-Vasall, ist wohl nur deshalb gebeten worden, weil es Mugabe-Kämpfer ausgebildet hat, während die anderen auch noch auf das „falsche Pferd“, nämlich den bei den Wahlen weit abgeschlagenen Joshua Nkomo gesetzt hatten.