Hervorragend

Wolfgang Amadeus Mozart: „Die Salzburger Sinfonien“, Im Salzburger Landesarchiv läßt sich in den „Hofkalendern“ genau nachlesen, wer etwa in den Jahren 1772/73 am Hof des Erzbischofs Hieronymus als Musiker engagiert war – was Rückschlüsse zuläßt auf die notwendige Stärke eines im histor. risch-kritischen Sinne besetzten Mozart Orchesters. Weit komplizierter schon ist die Frage zu beantworten nach Artikulation und Phrasierung, nach Dynamik und Tenipo, die eimer authehitschtischer Interoretation zugrunde gelegt werden müssen. Jaap Schröder und die Academy of Ancient Music haben auf, der Basis der neueren Forschung die ersten elf Sinfonien eingespielt – außerordentlich lebendig und fröhlich, unbelastet noch von tiefschürfender Psychogrammatik – ein exzellentes Beispiel für Sorgfalt und Engagement, dem man bald die gleichwertige Komplettierung wünscht. (Decca 6.35 505, 3 LP)

Heinz Josef Herbort Hörenswert

Franz Josef Degenhardt: „Der Wind hat sich gedreht im Lande“. Er hat sich „gedreht im Lande mit einem Paukenschlag aus Bayern“, läßt Degenhardt einen Industriekapitän singen, „da ist nun endlich Schluß mit dem Drumherumgerede, Drumherumgelaber, Drumherumgequatsche..., jetzt wird aufgeräumt“. Es ist das aktuellste Lied, das auch im Programm der Tournee stehen dürfte, die der alte rote Barde vom 17. April bis 6. Mai durch, viele Städte unternimmt. Er eifert mit insistierender Stimme wie eh und je. Degenhardt hat seinen Standpunkt. Er singt gegen die klampfenden Idylliker, die auf ihrem Trip in die grüne Romantik nur eine andere Art jener gefühlsbeladenen Jungen sind, die, damals, „fürchterlich entschlossen, diesen geilen Traum im Blick, in die Salven... bei Langemarck und Stalingrad“ gerannt sind. Seine neue Platte hat viel bittere Kraft. Er geht, wenn er singt, auf die Nerven, und das ist gewiß wirkungsvoller als seine musikalische Erfindung (Polydor 2372 008). Wer sich überhaupt mit Degenhardt bekannt machen will, wird blutvoller bedient mit zwei Platten, die einen Querschnitt geben, live mit Band aufgenommen: „Von damals und von dieser Zeit – Liederbuch“ (Polydor 2664 219). Manfred Sack