Jesse Owens, einer der populärsten Athleten der Sportgeschichte, Gewinner von vier Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin, ist am 31. März im Alter von 66 Jahren an Lungenkrebs gestorben. Die Erinnerung an die sportlichen Taten des James Cleveland (J. C. = Jesse) Owens ist noch wach; weniger bekannt sind seine Bemühungen um die Verständigung zwischen Menschen schwarzer und weißer Hautfarbe. Jesse Owens war ein enger Freund Martin Luther Kings. In seinem Buch „Schwarze Gedanken“ beschreibt er seine Empfindungen an dem Tag, an dem King ermordet wurde. Wir drucken Auszüge aus diesem Kapitel. Es zeigt den Menschen Jesse Owens aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel:

„Ich erinnere mich an gestern nicht so deutlich wie an den 4. April 1968. Ich war in New York. Ich ging zu Fuß zurück in mein Hotel. Es war ein kühler Abend.

Plötzlich bildeten sich Grüppchen von Leuten, die erregt aufeinander einsprachen. Ich ging weiter. Einige Wortfetzen, die an mein Ohr drangen, ließen mich langsamer gehen. Dann hörte ich es. Martin Luther King war erschossen worden. Er war tot.

Ich blieb stehen. Ich bat eine Frau, die es gesagt hatte, es zu wiederholen und mir zu sagen, wer die Nachricht verbreitet hätte. Ich konnte es einfach nicht glauben. Die Worte waren im wahrsten Sinne ein physischer Schlag, so als wenn man mit hoher Geschwindigkeit rennt und plötzlich auf eine dicke Betonmauer aufläuft, die vorher nicht da war.

Martin tot? Es konnte nicht sein. Nicht tot. Verletzt, ja. Er war schon oft in Gefahr gewesen. Auch war er schon früher verwundet worden. Aber tot? Nein. Diese ruhige Stimme, die besänftigen konnte und zur gleichen Zeit eine Gänsehaut hervorrief, diese Stimme, die überhaupt nicht aus seiner Kehle, sondern aus seinem festgefügten Innern zu kommen schien – ausgelöscht für immer?

Ich glaube, es war ein französischer Dichter, der einmal gesagt hat: Der Tod eines großen Mannes, welch eine Imitation des Weltunterganges.

Durch Martins Tod brach in mir eine Welt zusammen. In den nächsten Stunden erstickten meine Sinne unter dem längst begrabenen Geruch der Baumwollfelder von Oakville, Alabama – diese entsetzlichen fünfzig Morgen Land, die mein Vater von morgens 4.30 Uhr bis acht Uhr abends für einen ihm unbekannten weißen Mann bearbeitet hatte. – Das Telephon klingelte, als ich mein Hotelzimmer erreichte. Die Anrufe verstummten nicht bis weit nach Mitternacht. Zuerst meine Frau Ruth von Chicago. Dann meine drei verheirateten Töchter. Eine Fernsehgesellschaft beauftragte mich, einen Nekrolog zu erarbeiten.