Tauchen ist vor Floridas Küste ein bisweilen sogar fündiger Volkssport

Von Gabriele Schirrmeister

Klein, tiefliegend, böse waren sie, die Augen des Hais. Ein letztes Zittern ließ noch einmal sein gefährliches Maul klaffen. Sie hatten ihn gefangen und gerade an Land gezerrt. Selbst im Tode sah er noch tückisch aus. Dabei hatte man uns ausdrücklich versichert, hier am Hillsboro Beach gäbe es keine Haie.

Trotzdem schnorchelten wir raus; ein Haufen halbversandeter Balken, der allerlei Meeresgetier Unterschlupf bot und teilweise aus dem Wasser ragte, hatte unsere Neugier geweckt. Unzählige zebragestreifte kleine Fische und ein Schwarm orangegefleckter Winzlinge sausten im Zickzack durch das Gebälk. Ein paar Muränen, ein Stachelrochen und ein Hummer hausten ebenfalls dort. Hoffentlich nicht auch Haie, dachte ich. Veronika fiel auf, daß der Holzhaufen einem Schiffsbug ähnlich sah. Wir versuchten, ein Stück Holz hochzuholen. Erfolglos. Alles war ineinander gewachsen.

„Das Zeug muß schon lange tief im Sand gelegen haben, ich sehe es zum erstenmal“, meinte meine Gastgeberin nach dem Auftauchen. „Sicher war es ein altes Boot.“ In Florida sagen die Leute zu allem, was nicht gerade ein Ozeanriese ist, „Boot“. Unser Boot ging uns nicht mehr aus dem Kopf.

Am nächsten Tag zogen wir, mit Haken und Seilen ausgerüstet, wieder hinaus. Die See hatte noch mehr Sand abgespült. Eindeutig zeichnete sich jetzt der Umriß eines halben Schiffes ab. Außerdem ragte ein paar Meter weiter ein Stück der Ankerkette aus dem Meeresboden, kinderarmdick, mit Algenschichten bewachsen und porös gerostet. Wir beschlossen, der Sache ernsthaft auf den Grund zu gehen.

Fast eine Woche mühten wir uns täglich, irgendein Stückchen Wrack zu bergen. Endlich hatten wir Erfolg. Mit vereinten Kräften hievten wir einen Brocken an Land und untersuchten den Fund. Hinter der Algenkruste fanden wir, im Holzkern fest eingewachsen, eine total verrottete, flachgewaschene Kupfermünze. Ein aufgerichteter Löwe zierte die Rückseite. Vorn waren die Buchstaben BAYA und die Jahreszahl 1820 eingeprägt. Als wir auch noch feststellten, daß der zugehörige Balken bis fast zum Kern verkohlt war, geriet unsere Phantasie voll unter Segel. Ein brennendes Schiff, eine alte Münze ...