Sehenswert

„Der elektrische Reiter“ von Sidney Pollack, der noch einmal ein altes amerikanisches Märchen erzählt: vom tatkräftigen Einzelgänger, der, gegen den Widerstand von vielen, den Sieg des Guten schließlich doch durchsetzt; vom ungebundenen Leben in der Wildnis; von einer Liebe über alle Klassen hinweg. „The Electric Horseman“, die Geschichte des abgewrackten Rodeo-Cowboys Sonny Steele, der ein Zwölf-Millionen-Dollar-Pferd stiehlt, einen multinationalen Konzern überlistet und eine widerspenstige Fernseh-Reporterin erobert, ist ein romantischer Film, ein naiver wohl auch, aber zugleich einer der freundlichsten der Saison, vergleichbar am ehesten mit den populistischen Träumen des alten Frank Capra. Wie in „Mr. Deeds goes to Town“ oder „Mr. Smith goes to Washington“ kommen auch hier aktuelle, bedrängende Probleme vor, die dem Naturschützer Robert Redford und der Big-Business-Kritikerin Jane Fonda ganz ohne Zynismus wichtig sind. Leitartikelnd geht es indessen nicht zu. Redford und Fonda spielen so schön zusammen wie einst Clark Gable und Claudette Colbert in „It Happened One Night“, und wem nicht Häme die Sinne trübt, kann noch einmal erleben, was Star-Qualität ist. Aber unsere Oberlehrer, die den Murks aus Hollywood nimmermüde entlarven, sind viel zu verbiestert, um sich für so etwas interessieren zu können.

Hans C. Blumenberg

Mittelmäßig

„Das Grauen kommt um 10“ von Fred Walton. Zu Beginn wird eine Babysitterin (Carol Kane) am Telephon terrorisiert von einem Psychopathen (Tom Beckley), der die beiden ihr anvertrauten Kinder bestialisch ermordet Dann, sieben Jahre später, bricht er aus der Nervenklinik aus und bedrängt eine einsame Dame (Colleen Dewhurst) in einer Bär. Im Schlußteil schließlich nimmt er die Spur der Babysitterin wieder auf, die mittlerweile verheiratet ist und selber zwei Kinder hat. Dabei wird er mit verbissener Wut verfolgt von einem Detektiv (Charles Durning), der seinerseits fast psychopathische Killer-Instinkte entwickelt. Da Fred Walton in seinem Erstlingsfilm diese drei Handlungsstränge nur vage miteinander verbunden hat, wirkt „When a Stranger Calls“ (Originaltitel) bestenfalls wie ein schwaches Plagiat von John Carpenters „Halloween“: ein blasser Schocker.

Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

„La Luna“ von Bernardo Bertolucci. „Verbotene Spiele“ von René Clément „Monarch“ von Flütsch/Stelzer. „Wer hat Tante Ruth angezündet?“ von Curtis Harrington. „Palermo oder Wolfsburg“ von Werner Schroeter. „Solo Sunny“ von Konrad Wolf und Wolfgang Kohlhaase. „Vier irre Typen“ von Peter Yates. „Kleine Fluchten“ von Yves Yersin.