Von Silvia M. Propp

Noch zwei scharfe Kurven auf der schmalen, gewundenen Straße durch die Weinberge, dann das Ortsschild: Artimino. Ein „paesino“, ein verschlafenes kleines Dörfchen, mitten in der Toskana, etwa 16 Kilometer östlich von Florenz: Auf einer Anhöhe eine Handvoll Häuschen mit roten Ziegeldächern, die sich um eine kleine Kirche gruppieren, kopfsteingepflasterte Straßen, man sieht kaum Menschen, höchstens einmal einen Hund oder eine träge blinzelnde Katze. Mittagszeit in der Toskana. Mezzogiorno.

Der Blick gleitet über eine gesegnete Landschaft: Weinberge mit schönen sanften Linien, Olivenhügel, von den schwarzen Ausrufungszeichen der Zypressen geschmückt, und darin eingebettet, als Kronen aufgesetzt, die Villen und Castelli. Die Szene ist fast unverändert die gleiche, wie man sie von den Bildern der Gotik und der Renaissance kennt. Es ist schwer, vor der Schönheit der Toskana sachlich zu bleiben.

Diese mittelalterliche Region zwischen Florenz und Siena präsentiert sich jedoch nicht nur mit landschaftlichen Reizen. Die Toskaner mit ihrer Hinwendung zum Naturgenuß haben auch eine äußerst subtile Einstellung zum guten Essen entwickelt.

Im 16. Jahrhundert revolutionierte die toskanische Küche die westliche Welt. Die Köche brachten ihre Kunst nach Frankreich im Gefolge der Caterina de Medici, als diese nach Paris zog, um Königin zu werden. Noch heute findet man dort eine Vielzahl von Gerichten „nach Florentiner Art“.

Es heißt, daß in der Toskana die klassische italienische Küche zubereitet wird, so wie man dort auch das reine, das beste Italienisch spricht. Die Küche ist keineswegs kompliziert. Ihr Geheimnis: Man vermeidet alle unnötigen Komplikationen. Die Zutaten sind stets von allerbester Qualität, und sie werden mit einem Minimum an Sauce und Gewürzen zubereitet. Neben Pfeffer und Salz geben Salbei, Rosmarin und Basilikum, die duftenden Kräuter Italiens, ihr die besondere Note. Ein übriges tut das exzellente Olivenöl, welches von den Hügeln Luccas kommt und als das beste der Welt gilt. Eine Küche ohne Schnörkel, wie die Landschaft und die Kunst: streng, klassizistisch und von raffinierter Einfachheit.

Eine Reise durch die Toskana ist zu jeder Jahreszeit ein Augen- und Gaumenschmaus. Jeder Abstecher vom Wege führt zu neuen Genüssen und Erfahrungen. Durch Zufall findet man häufig die beste Trattoria, das beste Ristorante und die beste Osteria.