Von John Stewart

Weil Millionen Sparer in aller Welt in den vergangenen Monaten ihre Konten plünderten, um Gold zu kaufen, brauchen die Südafrikaner in diesem Jahr weniger Steuern zu zahlen, kann die Regierung gleichzeitig die Verteidigungsausgaben erhöhen und Lebensmittel aus der Staatskasse subventionieren. Dies und noch viel mehr konnte der Finanzminister vor dem Parlament in Kapstadt bei der Vorlage seines Haushaltsplans verkünden, weil die Exporterlöse und das Staatseinkommen im vergangenen Jahr alle Voraussagen übertroffen haben.

Kein Land außer der Sowjetunion hat so vom Goldboom profitiert wie Südafrika. Das Land hat 1979 durch Goldverkäufe fast 13 Milliarden Mark eingenommen. Wenn der Goldpreis in diesem Jahr nicht noch dramatisch fallen sollte, werden die Einnahmen noch weit höher sein. Denn im Durchschnitt des vergangenen Jahres erlöste Südafrika 300 Dollar für eine Unze Gold. 1978 hatte der Durchschnittspreis erst bei 194 Dollar gelegen. Auch wenn der Goldpreis zu Beginn dieses Jahres nur kurzfristig auf 850 Dollar je Unze (31 Gramm) hochschoß, so liegt er trotz seines drastischen Rückganges immer noch deutlich über dem Durchschnittspreis des Vorjahres, der den Minen bereits phantastische Gewinne und Südafrika große Deviseneinnahmen bescherte.

Im Süden des Schwarzen Kontinents hofft man, daß die Goldgläubigen sich durch das Wechselbad der Preise nicht irremachen lassen, und verweist auf die eigenen Tugenden. In einer Zeit, in der sich die Sowjetunion, der zweitgrößte Goldproduzent der Erde, zeitweise und aus unklaren Gründen aus dem Goldgeschäft zurückzieht, hat Südafrika nach Ansicht von Dennis Etheridge, Präsident des südafrikanischen Goldminenverbandes, den Ruf eines „verantwortlichen und zuverlässigen Lieferanten“ erworben.

Seit der Goldpreis wieder auf Talfahrt ist, hält sich aber auch Südafrika mit seinen Lieferungen deutlich zurück. Die Preisstrategen in der Nationalbank hoffen wohl, daß durch eine Verknappung des Angebots der Preis zumindest auf dem gegenwärtigen Niveau gehalten werden kann. Um zum Wohle der südafrikanischen Staatskasse auch an die Groschen solcher Sparer heranzukommen, die sich bisher wegen der hohen Preise noch nicht am Run aufs Gold beteiligen konnten, soll zudem das gelbe Metall demnächst in noch kleineren Einheiten auf den Markt kommen. Den Mini-Barren der Dresdner Bank sollen Mini-Ausgaben der südafrikanischen Münze folgen. Gab es bisher nur „Krüger-Rands“ im Gewicht einer Unze (31,1 Gramm), von denen bisher weltweit 27 Millionen Stück verkauft wurden, so sollen bald Münzen mit einer halben, einer viertel und einer zehntel Unze geprägt werden. Kleinvieh macht auch Mist.

Südafrikas Goldminen bauen das Metall ab, liefern es an eine Raffinerie in der Nähe von Johannesburg, wo es zu einer Reinheit von 99,5 Prozent verarbeitet wird, und verkaufen es dann – wie gesetzlich vorgeschrieben – an die südafrikanische Zentralbank. Sie zahlt den Minenbesitzern den Durchschnittspreis, der am Londoner Goldmarkt an zwei Tagen unmittelbar vor Ablieferung des Goldes an die Staatsbank galt.

Die Bank verkauft das Gold dann an Händler in der Schweiz, der Bundesrepublik, England und den Vereinigten. Staaten. Über Schweizer. Banken werden heute etwa sechzig Prozent der Verkäufe abgewickelt. Bis vor einem Jahr war der Schweizer Anteil noch größer. Doch seither liefern die Südafrikaner einen größeren Teil des Edelmetalls an Händler in Deutschland (Deutsche und Dresdner Bank) und an die USA. Dorthin gehen zusammen zwanzig Prozent. Die verbleibenden zwanzig Prozent übernehmen Londoner Banken.