Die Kreditinstitute scheiterten mit dem Versuch, Kontogebühren einzuführen

Zu einer Operette geriet den österreichischen Bankdirektoren ihr Versuch, internationale Unsitten zu übernehmen und auf Gehalts- und Pensionskonten künftig mehr Gebühren zu erheben. Der Anschlag schlug fehl. Mehr als das: Für die nächsten paar Monate zumindest hat sich die Kostensituation der Kreditinstitute eindeutig verschlechtert. Jetzt müssen sie für Gehaltskonten mehr Zinsen als bisher zahlen – ein Prozent statt 0,25 Prozent, denn die Zinserhöhung war Teil eines ganzen Paketes, in dessen Rahmen auch höhere Gebühren hätten eingeführt werden sollen. Gleichzeitig ist ihre Aussicht, von Gehaltskontenbesitzern für Buchungen und Daueraufträge einen Kostenbeitrag erlangen zu können, in weite Ferne gerückt.

Dabei hatte alles ganz ordnungsgemäß begonnen. Ende März hatten sich Regierung und Notenbank geeinigt, grünes Licht für eine Zinserhöhung zu geben. Österreich konnte sich dem internationalen Trend nicht länger entziehen, die Notenbank hatte schon Alarm geschlagen, weil es zu viel österreichisches Kapital zu den höheren Zinsen ins Ausland zog. Nach zweiwöchigen Dauerverhandlungen einigten sich die Banker und Finanzminister Hannes Androsch auf ein neues Maß. Der Anleihezinssatz wurde von 8,5 Prozent auf neun Prozent gehoben, für die Sparer schaute eine höhere Verzinsung ihrer Einlagen je nach Bindungsdauer zwischen fünf und acht Prozent heraus.

Doch dann kam die große Überraschung. Wenige Tage nach dem „Kreditgipfel“ im Finanzministerium in Wien, bei dem die neue Zinshöhe ausgehandelt worden war, ließen die Geldinstitute die Katze aus dem Sack. Ab Juli dieses Jahres sollten private Kontoinhaber die Kosten für den Bankservice selbst tragen: Nur mehr 36 Buchungen pro Konto sollten gratis erfolgen, für jede weitere Buchung wollten sich die Bankgewaltigen gleich mit jeweils vier Schilling (57 Pfennig) schadlos halten. Für die Kontoführung selbst sollte natürlich auch noch eine Gebühr dazukommen, jedes’ einzelne Scheckformular wird den Banken, so wurde angekündigt, mit umgerechnet sieben Pfennig bezahlt werden müssen.

Auch bei den Spesen für Daueraufträge wollte man nicht zimperlich sein. Gebühren für jede einzelne Buchung und noch einmal Gebühren allein dafür, daß die Bank den Dauerauftrag annimmt, waren vorgesehen. Kunden, die ihr Konto eifrig benutzen, sahen plötzlich ihre Gebühren pro Jahr auf 1000 Schilling (ca. 140 Mark) und mehr hinaufschnellen. Für von Firmen unterhaltene Konten sollte alles noch viel teurer werden, für Geschäftskonten hat man zwar niedrigere Sollzinsen (ein halbes Prozent) in Aussicht gestellt, dafür aber kostenlose Buchungen gestrichen.

Die Front bröckelte

Der Aufschrei gegen diese Gebührenflut kam prompt, und die Bankherren reagierten erschreckt. Die anfangs so geschlossene Front der Geldinstitute – sie wollten bei den Gebühren keinerlei Wettbewerb riskieren und einheitliche Sätze einführen – geriet zuerst langsam und dann immer schneller ins Wanken. Die Kontoführung wurde von Tag zu Tag billiger. Täglich meldete sich eine Bankengruppe zu Wort, und bot „nach nochmaliger Überlegung“ Sätze an, die in der Regel genau die Hälfte dessen ausmachte, was noch am Vortag als der letzte Stand galt. Von vier Schilling pro Buchung sausten die Gebühren so binnen einer Woche auf einen Schilling herunter. Am siebenten Tag schließlich meldete eine mächtige Bankengruppe, die Raiffeisenkassen, daß sie vorerst überhaupt auf die Einführung von neuen Gebühren verzichten wollen. Der letzte Akt in der Operette um die Kontogebühren hatte begonnen, doch statt Beifall ernteten die Herren Bankdirektoren nur Schelte und zum Schluß auch noch Hohngelächter.