Wiederentdeckt: Koestlers Tagebuch

Von Iring Fetscher

Ein Buch ist anzuzeigen, das Deutschland mit über vierzigjähriger Verspätung erreicht:

Arthur Koestler: „Ein spanisches Tagebuch; Bibliothek: Anpassung und Widerstand; Verlag Klaus Guhl, Berlin 1979; 242 S., 16,80 DM.

Als letztes seiner Werke, das er deutsch schrieb, ist es zwar 1938 schon einmal in Zürich erschienen, aber nur wenige daheimgebliebene Deutsche dürften es damals erhalten und gelesen haben. Und doch verdient es als Dokument wie als literarisches Produkt noch immer Beachtung.

Koestler war als Korrespondent des News Chronicle nach Spanien gefahren, um über den Bürgerkrieg zu berichten. Er hatte schon einmal ein aufsehenerregendes und ziemlich abstoßendes Porträt eines der franquistischen Militärs gezeichnet und war nun – im Januar 1937 – zurückgekehrt, um diesmal auf republikanischer Seite die Ereignisse zu verfolgen. Seine Sympathien lagen natürlich bei den Linken. Das hinderte ihn aber nicht daran, die Mängel der Organisation, das Durcheinander der Kompetenzen, die Unfähigkeit mancher Offiziere der republikanischen Streitkräfte und ihrer Truppen zu sehen. Ungeschminkt berichtet er, was er sah. Die journalistische Neugier und die – wie sich zeigen sollte unberechtigte – Annahme, man werde einen britischen Korrespondenten nicht behelligen, verführte Koestler dazu, im äußerst gefährdeten Malaga bis zuletzt auszuharren und dort den Einmarsch der italienischen und franquistischen Truppen abzuwarten.