Eheanbahnung: Der Berufsnachwuchs kommt zunehmend aus dem sozialpädagogischen Bereich

Von Esther Knorr-Anders

Die Hornviper ist eine nordafrikanische, giftige Otter mit Hörnchen über den Augen und Wüstenschutzfärbung. Bei geringfügigster Erschütterung des Sandes schießt sie zum Angriff vor.

An Vipern dachte ich, nachdem ich mehrere Eheanbahnungsinstitute um fachliche Auskunft über Berufserfahrung und Arbeitsweise gebeten hatte und konsequent abgewiesen worden war.

Das Vipernbild trifft jedoch keineswegs auf die Mehrheit zu. Seriöse Unternehmen sind sich ihrer sozialen Funktion (durch Beschluß des Bundesverfassungsgerichts vom 20. April 1966 ausdrücklich herausgestellt) auf Grund der geänderten gesellschaftlichen Verhältnisse und in einer den Kontakt erschwerenden, eigentlich kontaktlosen Zeit bewußt. Überfüllte Diskotheken bilden ein Paradebeispiel für überlärmte Einsamkeit.

Eheanbahnung unter Assistenz Dritter ist so alt wie die Furcht zahlreicher Menschen vor dem Alleinsein, wie auch vor der Abweisung, einer möglichen Blamage, einer Kränkung.

An diesem Punkt griffen früher Großväter und Tanten, die Hochzeitsbitter und Brautwerber mehr oder minder dezent ein. Mancher vertraute auch einem „guten Engel, der das schon ordnen würde“.