Der private Erdölkonzern verschluckte sich an der Übernahme der British Petroleum

Das Ende des italienischen Ölmagnaten Attilio Monti fing damit an, daß Kuwait, Iran und Irak die Erdöllieferungen blockierten, weil Monti offene Rechnungen nicht mehr bezahlen konnte. Stockte die Verarbeitung zunächst nur in der Raffinerie Gaeta südlich von Rom, so rauchten bald die Schlote von allen vier Monti-Raffinerien nicht mehr. Zehn Millionen Tonnen Verarbeitungskapazität liegen still.

Inzwischen erhielt die Gruppe öffentliche Stützungskredite, und die staatliche Energieholding ENI übernahm die Versorgung der Monti-Tankstellenkette Mach. Aber nicht aus Nächstenliebe. Im Gegenteil: Die ENI ist an einem möglichst billigen Erwerb des Tankstellennetzes interessiert.

Seit British Petroleum (BP) 1973 Italien verließ, sind Monti und ENI Erbfeinde. Der Privatunternehmer bot nämlich damals den Engländern mehr als der Staatskonzern und erhielt so den Zuschlag für die BP-Raffinerien und die 3400 Tankstellen. Die ENI konnte zwar beim gleichzeitigen Auszug der Shell deren 4200 Tankstellen übernehmen, doch hat sie es Monti nie verziehen, daß er ihr die nagelneue 200-Millionen-Mark-Raffinerie Volpiano (Turin) mit 4,5 Millionen Tonnen Jahresdurchsatz wegschnappte, welche die BP erst zwei Jahre vor ihrem Abzug aus Italien eingeweiht hatte.

Die ENI, die damals noch dringend Raffineriekapazität suchte, hat allerdings inzwischen durch fleißige Zukäufe zwei Fünftel des italienischen Marktes für Erdölprodukte in der Hand. Hätte die Staatsholding vor Jahren noch das gesamte Monti-Ölreich mit Kußhand gekauft, ist sie heute nur an den Perlen des maroden Privatkonzerns interessiert. Angesichts überschüssiger Raffineriekapazität in Italien will ENI lediglich die moderne Ex-BP-Anlage und Montis Tankstellennetz übernehmen. Doch der will nur en bloc verkaufen.

Daß die internationalen Ölkonzerne in Italien aufgaben und nun Monti vor der Pleite steht, ist vor allem Folge der staatlichen Preispolitik. Die Preise für Benzin und Heizöl werden nämlich von einer Regierungskommission bestimmt. Dabei wird – allerdings meist mit erheblicher Verzögerung – bei der Berechnung der Einheitspreise die Kostenentwicklung zugrunde gelegt. Die Folge waren dauernde und erhebliche Defizite für die in Italien tätigen Ölgesellschaften. Allein ENI als Staatsunternehmen konnte ihre Verluste durch neue Mittel aus dem Steuersäckel ausgleichen.

Die Monti-Gruppe hatte die BP Italia übernommen, um möglichst bald das Tankstellennetz teurer weiterzuverkaufen. Aber mit dem Eintritt der ersten Energiekrise machten sich die Interessenten rar. Die Verluste wurden auch dadurch immer größer, daß Monti keine gesicherte Rohölbasis besitzt und auf den teuren Spot-Markt angewiesen ist. Nach Schätzungen ist Monti mit 1,5 bis zwei Milliarden Mark in die roten Zahlen abgerutscht.