Güter Geschäftsgang und stattliche Gewinne waren das einzige, mit dem das alteingesessene Schweinfurter Großunternehmen Fichtel & Sachs von sich reden machte – bis vor gut vier Jahren. Heute befindet sich der bekannte Zulieferer für die Autoindustrie, Elektrobranche und den Maschinenbau (Werbespruch: Die Erfinder AG) in einer „scheußlichen Situation“, gesteht ein Mitglied des F & S-Aufsichtsrats.

Vordergründig geht es um das Managerschicksal des 51jährigen Vorstandsvorsitzenden Walter Trux, der Anfang 1976 nach erfolgreicher Laufbahn bei der IBM von seiner letzten Station Paris mit großen Erwartungen in das biedere Schweinfurt übergesiedelt war und zunächst offenbar mit allen gut zurechtgekommen ist. Doch seit dem vergangenen Jahr mehren sich die Anzeichen dafür, daß Trux bei den Aktionärsvertretern im Aufsichtsrat nicht mehr wohlgelitten ist.

Nur noch die Belegschaft, so scheint es, steht unerschütterlich zu Trux, und der Betriebsrat sieht in ihm gar einen Garanten für die Eigenständigkeit des 85 Jahre alten Traditionsunternehmens. Am 21. April soll nun der Aufsichtsrat darüber beschließen, ob Trux’ Vertrag über das Jahresende hinaus verlängert wird.

Doch schon eine Woche zuvor findet ein Ereignis statt, das Trux’ Chancen tangiert: Für die außerordentliche Hauptversammlung der Holding Sachs AG, die sämtliche Aktien der Fichtel & Sachs AG hält, ist Krach innerhalb der noch mit 51 Prozent beteiligten Familie Sachs programmiert. Denn ein neuer Aktionär ist drauf und dran, die Fronten zu verändern: Der bundeseigene Stahlkonzern Salzgitter, erst seit kurzem mit knapp 24 Prozent dabei, hat Appetit auf die Mehrheit – die Frage ist, von welchem Familienmitglied er sie bekommt.

Seit Trux im Sommer 1975 mit der Sachs-Familie über seinen neuen Job handelseinig wurde, hat er sich an Unruhe auf der Aktionärsseite gewöhnen müssen.

  • Ende November 1975 verkauften die beiden Gründerenkel Ernst Wilhelm (inzwischen tödlich verunglückt) und Gunter Sachs knapp 75 Prozent des Kapitals der Sachs-Holding an den englischen Maschinenbaukonzern Guest, Keen and Nettlefolds (GKN).
  • Kurz danach suchte Ernst Wilhelm Sachs’ geschiedene Frau Eleonora im Namen ihrer drei Töchter (als den „Nacherben“) den Verkauf der Anteile zu blockieren, indem sie die Testamentsvollstreckung anfocht. Vor dem Obersten Bayerischen Landesgericht unterlag die „rote Lo“ aber in letzter Instanz.
  • Dann legte sich das Bundeskartellamt quer und untersagte den Erwerb durch GKN. Die Engländer erwarben so zunächst – genehmigungsfrei – nur ein knappes Viertel an der begehrten Zulieferfirma, die vor allem bei Kupplungen und Stoßdämpfern hohe Marktanteile hat. • Als dann auch der Bundesgerichtshof endgültig nein zum Kauf der 75 Prozent sagte, wollte die GKN auch die 24,9 Prozent nicht mehr: Sie gab ihr Paket Ende Oktober 1978 an die Commerzbank weiter, die es durch geringe Zukäufe von der Familie auf gut 25 Prozent aufrundete und sich dem Bundeskartellamt gegenüber zugleich verpflichtete, den größten Teil der Aktien in einigen Jahren über die Börse zu placieren.
  • Schon eine Woche später aber hielt ein weiterer Aktionär Einzug, mit dem niemand gerechnet hatte: Gunter Sachs gab aus seinem Besitz 23,98 Prozent an Salzgitter ab.

Die Salzgitter-Bosse sind nun darauf erpicht, nicht nur auf über 25 Prozent, sondern sogar an die Mehrheit zu kommen – trotz der ablehnenden Haltung des Kartellamtspräsidenten Wolfgang Kartte. Doch Salzgitter-Vorstandsvorsitzender Ernst Pieper hält es offenbar mit der Devise: Kommt Zeit, kommt Rat.