Von Ute Naumann

Daß es in Köln Leute gibt, die kurz vor Karneval ihre Matratzen im Leihhaus versetzen, ist ein Gerücht mit Bart. Und für die ums Image besorgten Pfandleiher ist es zudem noch ein schlechtes. Denn keiner der 130 im Bundesgebiet und Westberlin ansässigen „Privaten Pfandkreditbetriebe“ würde heute noch eine Matratze ins überfüllte Pfandlager nehmen. Wenn schon Sperrgut, dann doch bitte eine Orientbrücke.

Was Bürger einer Wohlstandsgesellschaft zur Überbrückung vorübergehender Pressionen ins Leihhaus tragen, ist meistens ein Stück Überfluß: Der tragbare (Zweit-)Fernseher; die Stereoanlage; die Photoausrüstung; das Ölgemälde; der Pelz; die Briefmarken; Antikes – und dann natürlich Schmuck vom schmalen Ringelchen mit Halbedelstein bis hin zur brillantbesetzten Uhr für 24 000 Mark. Über die Hälfte aller Pfänder in den Leihhäusern sind Schmuckstücke.

Das Image der Leihhäuser war immer ein bißchen zwielichtig, und in Zeiten, als noch kein Gesetz wuchernde Auswüchse des Gewerbes verbot, sogar ausgesprochen miserabel. 1881 erließ der Königlich Preußische Staat dann endlich das „Preußische Gesetz betreffend das Pfandleihgewerbe“, dem nicht weniger als 45 Einzelverordnungen folgten. Seit dem 1. Juni 1976 gilt eine Neufassung der „Verordnung über den Geschäftsbetrieb der gewerblichen Pfandleiher“. In den 16 Paragraphen wird nicht nur die Buchführung eines Leihhauses bis ins letzte Detail vorgeschrieben – da wird auch die Überwachung durch die zuständigen Behörden (meist das Ordnungsamt) reglementiert; der Pfandleiher wird zum Beispiel auch verpflichtet, „das Pfand mindestens zum doppelten Betrag des Darlehens“ zu versichern. Wichtiger noch ist der Paragraph 10, in dem der Pfandleiher fest an die Leine des Staates genommen wird. Er darf „für die Hingabe des Darlehens höchstens einen monatlichen Zins von eins vom Hundert des Darlehensbetrages fordern, vereinbaren oder sich gewähren lassen“. Erst recht lohnend wird das Geschäft für den Pfandleiher durch die zwei Prozent Gebühren auf den Darlehensbetrag, die auch pro Monat erhoben werden. Übers Jahr gesehen macht das einen erklecklichen Zins von insgesamt 36 Prozent.

Der Umsatz der gesamten Branche wird auf 250 Millionen Mark geschätzt. Genaue Zahlen gibt es deshalb nicht, weil im Zentralverband des deutschen Pfandkreditgewerbes nicht alle Leihhäuser zusammengeschlossen sind, und weil nicht einmal alle Verbandsmitglieder den Blick in die Bücher mögen. „Pfandleiher“, so einer von ihnen, „sind von Natur aus verschwiegen.“

Klaus Germann vom Zentralverband schätzt, daß ein mittlerer Betrieb eine halbe Million Mark Kapital ständig investiert hat, das sich zwei- bis dreimal im Jahr umsetzt. Das ergibt einen Umsatz von 1 bis 1,5 Millionen Mark. Filial-Großbetriebe kommen auf das Zehnfache. Der Trend in der Branche geht immer mehr zum Großunternehmen, „weil“ – so Klaus Germann – „in den kleinen Familienbetrieben oft der Nachwuchs fehlt oder nicht weitermachen will“.

Während die Zahl der angenommenen Pfänder seit Jahren eine rückläufige Tendenz hat, sind die Umsätze im Pfandkreditgewerbe gestiegen – wenngleich in seltsam anmutenden Bocksprüngen: 1974 freute sich die Branche über ein Plus von 11,5 Prozent; 1976 waren es nur noch 3,16 Prozent und 1977 noch magere 1,7 Prozent. Von 1978 auf 1979 kletterte die Umsatzsteigerung aber wieder auf 10 Prozent. Klaus Germann: „Das ist auf den erheblich gestiegenen Goldpreis zurückzuführen, der sich ja auch in der Beleihung bemerkbar macht.“ Ein Stück, das vor drei Jahren mit 100 Mark Kredit beliehen wurde, bringt heute leicht das Doppelte.