Ein Gespräch mit Ralf Dahrendorf, Direktor der London School of Economics

Die Engländer haben ihre Universitätsprobleme besser im Griff. Die Elite-Hochschulen Oxford und Cambridge kennen keine Wohnungsprobleme. Hier kümmern sich mehr Dozenten um weniger Studenten. Wissenschaftler erzielen glänzende Forschungsergebnisse. Warum? Ralf Rede vom Südwestfunk befragte dazu Professor Ralf Dahrendorf.

RECK: Herr Dahrendorf, die Universität Cambridge hat mich sehr beeindruckt, vor allem der hohe Stand der Wissenschaft und die Intensität der Betreuung von Studenten, da meistens ein Verhältnis von eins zu eins oder eins zu zwei besteht. Gibt es so hervorragende Bedingungen auch an anderen englischen Universitäten?

DAHRENDORF: Es gibt große Unterschiede. Nur Oxford und Cambridge haben das College-System und Studenten, die im College wohnen; sie haben sicherlich eine besondere Fürsorge durch ihre Dozenten. Auch bei uns an der London School of Economics gibt es für jeden Studenten wöchentlich Tutorials mit einem Dozenten. Bei der studentischen Betreuung ist in Großbritannien die mittelalterliche Tradition nie abgebrochen. Universitäten sind zumindest in den ersten drei Jahren Lehruniversitäten.

RECK: Findet die Betreuung auch in den großen Hochschulen statt?

DAHRENDORF: Cambridge ist mit 10 000 Studenten eine große Universität. Die meisten Hochschulen sind kleiner. Größenordnungen wie in der Bundesrepublik kennt man hier überhaupt nicht.

RECK: Haben Sie erheblich mehr Lehrpersonal als eine deutsche Universität?