In den ersten drei Monaten dieses Jahres hat die Masse der deutschen Aktien Rückschläge hinnehmen müssen. Dadurch haben sich die bei ihnen erzielbaren Renditen spürbar verbessert. In unserer Tabelle sind die für das Geschäftsjahr 1979 zu erwartenden Dividendenerhöhungen noch nicht berücksichtigt. Allerdings auch nicht die Kürzungen. Insofern gibt die VEW-Rendite von 10,3 Prozent ein falsches Bild; denn dieses Versorgungsunternehmen ist. gezwungen, die Ausschüttung deutlich zurückzunehmen.

Von der Rendite her interessant sind vor allem die Aktien von Bayer und Hoechst. Beide Unternehmen werden ihre Ausschüttung von sechs auf sieben Prozent erhöhen und dürften bei diesem Satz auch noch für 1980 bleiben. Unter Berücksichtigung der Steuergutschrift ergibt sich bei Hoechst bereits eine „Verzinsung“ von etwas mehr als zehn Prozent. Dieser Umstand hat in letzter Zeit zwar ein gewisses Interesse für diese Papiere hervorgerufen, ohne daß jedoch der Kurs wesentlich gestiegen ist. Renditen scheinen so lange ohne Reiz zu bleiben, wie am Rentenmarkt eine „sichere“ Einnahme von annähernd zehn Prozent geboten wird.

Das Kurs-/Gewinn-Verhältnis verliert bei der Kursbildung immer mehr an Bedeutung. Deutlich abzulesen am VW-Kurs. Das Kurs-/Gewinn-Verhältnis von 2,7 bedeutet nichts anderes, als daß vom Unternehmen ein „Ertrag je Aktie“ erwirtschaftet wird, der in nicht ganz drei Jahren den heutigen Kurswert der VW-Aktie ausfüllt. Bei keiner anderen in unserer Tabelle verzeichneten Aktie wird der „Einstand“ rascher erwirtschaftet.

Viel wird darüber gerätselt, warum das Kurs-/Gewinn-Verhältnis seine einstmals dominierende Rolle eingebüßt hat. Sicher spielen die gegenwärtig hohen Zinsen dabei eine Rolle. Es gibt aber auch Börsianer, die der Meinung sind, daß bei „mitbestimmten“ Unternehmen der einbehaltene Ertrag geringer bewertet werden muß als der ausgeschüttete Teil des Gewinns. Denn einbehaltene Ertragsanteile unterliegen nicht mehr wie bisher dem Willen der Eigentümer allein, sondern nunmehr auch dem der in den Aufsichtsräten vertretenen Gewerkschaftsfunktionäre und Belegschaftsangehörigen, deren Interessen mit denen der Eigentümer nicht übereinzustimmen brauchen.

Auch hier liegt zweifelsohne ein Grund, warum der Ruf nach höheren Ausschüttungen immer lauter wird. Die Aktionäre möchten die volle Verfügungsgewalt über die Gewinne ihrer Gesellschaft zurückgewinnen und dann selbst entscheiden, ob sie einen Teil davon dem Unternehmen als Eigenkapital wieder zur Verfügung stellen wollen. Das bringt für die Unternehmen erhebliche Probleme und erzwingt auf allen Seiten ein Umdenken, an dem jedoch, wenn man die Aktie als Finanzierungsinstrument retten will, kein Weg vorbeiführt. K. W.