Wilhelm Pohl aus Düsseldorf handelt mit schlichten Krawatten, halbseidenen Fliegen und Schminke en gros. An die dreihundert Tage zieht der Düsseldorfer über Land, um auf Deutschlands Wochenmärkten seine feine Ware anzubieten.

Eines Tages machte der 45jährige Rheinländer eine Rechnung auf: 300 Übernachtungen à durchschnittlich 80 Mark pro Anno, so des Kaufmanns Kalkül, das sind 24 000 Mark im Jahr – auch für den erfolgreichsten Handelsvertreter in seinem Gewerbe wahrlich kein Pappenstiel. Pohl bestellte sich einen Motorcaravan für 50 000 Mark und ließ gleich noch ein Autotelephon einbauen. Seitdem hat er ein Schlaf-, Wohn- und Konferenzzimmer mit 80 PS.

Gottfried Hoster, Rundfunkreporter aus Frankfurt, sehnte sich so manches Mal in seinem rastlosen Berufsleben nach einem ruhigen Eckchen. Also kaufte sich der Mann mit dem allzeit bereiten Mikrophon einen VW-Campingbus nur zu dem Zweck, für seine Interviews einen ungestörten Raum zu haben.

So wie Pohl oder Hoster geht es immer mehr Zeitgenossen: Sie kaufen sich ein Wohnmobil, um es geschäftlich zu nutzen. Schon macht manches Unternehmen gar einen Trend aus. Robert Sibley von Tabbert: „Fünfzehn Prozent aller verkauften Camper dienen als Geschäftswagen.“

Noch größer ist dieser Kundenkreis bei Eriba. Dort rechnet Firmensprecher Wolfgang Mach mit rund 20 Prozent Gewerbe-Campern – oder 250 verkauften Fahrzeugen pro Jahr. Nur bei Westfalia – mit 120 000 verkauften Motorcaravans unbestrittener Marktführer der jungen Branche – sieht man diesen Zeitgeist nicht und hat auch keine entsprechenden Zahlen. Dafür entdeckten die Wiedenbrücker einen ganz anderen Trend: das Wohnmobil als Erstfahrzeug. Schon 56 Prozent aller neu zugelassenen VW-Camper sollen allein in der Garage stehen, und zwar überwiegend, so Westfalias Peter Schwerdtmann, „bei 30- bis 40jährigen mit 2,1 Kindern“.

Damit kommt allmählich ein Lebensgefühl über den Atlantik, das in Amerika längst Gewohnheitssache ist. So packte der Schriftsteller John Steinbeck schon vor Jahren lediglich etwas Wäsche, die Schreibmaschine und Pudel Charly in den Camper und reiste monatelang durch ein paar Dutzend US-Staaten.

Der starke Hang zur Mobilität zeigt sich – hüben wie drüben – in der hohen Anzahl gefahrener Kilometer. Während der normale Kraftfahrzeuglenker nach einer Untersuchung des Mineralölkonzerns Esso pro Jahr 12 450 Kilometer am Volant verbringt, fährt ein Motorcaravaner zwischen 15 000 und 22 000 Kilometer – je nachdem, ob er seine rollende Freizeitbude nur als Zweit- oder auch als Erstwagen nutzt.