Ein Monument entwerfen, ein Denkmal schaffen – das sind auch Versuche, Spuren zu hinterlassen, nicht vergessen zu werden, ein bißchen Größe zu demonstrieren, und geschähe das auch nur mit einem scheinbar unverwüstlichen Stein. Die alten, immer neuen (Sehnsuchts-)Gedanken nach Ewigkeit, Ruhm und Dauerhaftigkeit haben nun den Kölnischen Kunstverein animiert, eine Monumente-Denkmal-Schau zu inszenieren. Zu sehen sind ungefähr zwanzig Arbeiten zeitgenössischer Künstler.

Vollständig soll diese kleine Zusammenstellung nicht sein; „vielmehr ist diese unterschiedliche, ja gegensätzliche Versammlung von Skulpturen der erste Hinweis auf eine besondere Spezies von Objekten, die wir eher übersahen, die wir nicht ernst nehmen wollten: ironische befremdliche Objekte, die, von keinem in Auftrag gegeben, die Künstler für sich, für Freunde gemacht haben.“

Auf einer Säule hoch über den Köpfen der Ausstellungsbesucher thront die Denkmal-„Erhöhung eines Eselhufeisens“ von C. O. Paeffgen. Auch nur mit erhobenem Kopf oder in angemessenem Abstand zu bewundern ist ein einfacher Pflasterstein, der auf einer fast drei Meter hohen Marmorsäule aus selbstklebender Plastikfolie thront. Weit gefährdeter, zerbrechlicher ist ein anderes Denkmal-Objekt Paeffgens: ein kleines Fähnchen mit der Aufschrift Mensch.

Menschen, die zu Denkmal-Ehren kommen, sind für den jugoslawischen Konzept-Künstler Braco Dimitrijevec nicht nur sogenannte große Persönlichkeiten, und so stellt er in seiner „Dialectic Chapel“ den Bronzekopf von Leonardo da Vinci „Maler, Wissenschaftler, Genius“ dem Kopf von Andelko Hundic, einem zufälligen Passanten, gegenüber. Aus der „Beschäftigung mit historischen Formen, die zufällig ausgewählte Menschen, Orte und Daten glorifizieren“, entstand ein anderes seiner Projekte: Für den Garten des Charlottenburger Schlosses in Berlin entwarf er einen Obelisken aus weißem Carrara-Marmor, meißelte auf deutsch, englisch, französisch und serbokroatisch die Aufschrift „11. März – dieses könnte ein Tag von historischer Bedeutung sein“ in den Stein und errichtete das imponierende Monument schließlich „zu Ehren des Geburtstages von Peter Malwitz, einem zufälligen Passanten“.

„Ich bin der Beste“, verkündet der Italiener Salvo in vergoldeten Lettern auf Marmor, Dieter Roth wiederum setzt sich im Selbstportrait aus Kakaopulver als „Vogelfutterbüste“ aus. Und Nam June Paik nimmt ein Fernsehgerät der Marke Rembrändt Automatic, stürzt es mit dem „Gesicht nach unten“ und nennt es „ein unwichtiges Monument“. Auch wenn sich die ausgestellten Arbeiten in Material, Größe, Stil oder Anspruch erheblich unterscheiden, gilt für alle die im Katalog gestellte „Frage nach dem denkmalwürdigen Ewigkeitsanspruch eines Kunstwerks und der Allgemein verständlichkeit“.

Denkmäler geben nur noch selten Denkanstöße, auch Kriegerdenkmäler. Die Anregung, vielleicht doch noch einmal über sie nachzudenken, versucht ein mit vier Photos und einer Texttafel versehenes Projekt von Robert Filliou zu geben. Darin wird den Völkern Europas „feierlich vorgeschlagen, einen gegenseitigen Austausch ihrer Kriegerdenkmäler vorzunehmen. Länder, die heute an einen Krieg denken, werden aufgefordert zu erwägen, vorher und anstatt eines Krieges ihre Kriegerdenkmäler auszutauschen“.

Die Hoffnung, im Denkmal zu überleben, zeigt sich nicht zuletzt in Grabsteinen. Die in Köln aufgestellten sind keine „Ruhe in Frieden-Monumente, sondern eher „anstößige Objekte“. Dazu gehört der Grabstein von James Lee Byars, der einen großen, runden Stein durch Amsterdam und Bern gerollt hat und die nun nicht mehr vollkommen runde Kugel als sein „Perfect Epitaph“ fürs eigene Grab bezeichnet. Dazu gehören auch Edward Kienholz und Claes Oldenbourg, die sich ihre Grabsteine gegenseitig entwarfen. Kienholz erhielt eine mit „E D“ beschriftete Stein-Brotschnitte, Oldenbourg ein aus mehreren Schichten bestehendes Objekt mit dem Hinweis „Work softly and be a big prick“ (Geh behutsam, aber sei ein kräftiger Stachel). Tim Ulrichs schließlich meißelt schon als Dreißigjähriger auf seinen Grabstein: „Denken Sie immer daran, mich zu vergessen.“ (Kölnischer Kunstverein bis zum 20. April, anschließend Badischer Kunstverein Karlsruhe, Katalog 7 Mark) Raimund Hoghe