Von Hermann Funke

Als der damalige Oberbürgermeister von München, Hans-Jochen Vogel, vor nunmehr bald neun Jahren seinen Hilferuf „Rettet unsere Städte jetzt“ losließ, nannte er als Hauptplage einen „gewaltigen Strom von Beton, der sich täglich, stündlich, ja in jeder Minute durch unsere Städte ergießt – in den letzten zwei Jahrzehnten waren es allein in der Bundesrepublik zweieinhalb Milliarden Kubikmeter oder achtmal so viel wie das Montblanc-Massiv“.

Ein schöner Berg.

Und „damit dieser Strom dem Leben eine Chance gibt und es nicht vollends zerpreßt und niederwalzt“, verlangte er „intensivere Stadtforschung, durchdachtere Konzeptionen für die Stadtentwicklung, ein neues Verständnis der Stadtplanung, bessere Verwaltungs- und Steuertechniken und eine bessere regionale Kooperation“.

Ein Alptraum.

Ziehen wir mal die Wurzel: zweieinhalb Milliarden Kubikmeter, das ist ein Würfel mit 1360 Meter Kantenlänge. Und der Montblanc, Europas höchster Berg, ist 4810 Meter hoch. Man muß schon Jurist und ein bedeutender Politiker sein, um den da achtmal reinzukriegen.

Denn das ist die Wurzel des Übels: Statt nachzudenken, fordert der Oberbürgermeister „durchdachtere Konzeptionen“, statt mit den Nachbarn zusammenzuarbeiten „bessere regionale Kooperation“, statt zu verstehen „ein neues Verständnis“ und statt zu rechnen „intensivere Forschung“.