Eine Krise stört noch keinen Sommer. Zu diesem Schluß muß man kommen, wenn man in der jüngsten Reiseanalyse des Starnberger Studienkreises für Tourismus die Zahlen zum Reise-Interesse anschaut. Mehr als die Hälfte aller erwachsenen Deutschen, 24 Millionen Menschen, sind entschlossen, 1980 in die Ferien zu reisen. Diese Zahl ist von Jahr zu Jahr und unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Einflüssen gewachsen. Die Ziffer der noch Unentschiedenen ist gering wie nie zuvor. Allein die Zahl der Reisewilligen ist fast konstant geblieben.

Die Ergebnisse der Befragung spiegeln jene Expertisen wider, welche im Tourismus ungebrochen eine Wachstumsbranche sehen. Die Starnberger Forscher prognostizieren für das laufende Jahr gut 27,5 Millionen deutscher Urlaubsreisender, weil sie von dem Erfahrungssatz ausgehen, daß etwa die Hälfte der heute noch Unentschlossenen doch die Koffer packt.

Beobachter der Wirtschaftslage meinen, dieses rosarote Bild könne aber durch die gewaltig gestiegenen Energiekosten verdunkelt werden. Der Studienkreis ist dieser Prognose erstmals nachgegangen: Was werden Sie tun, wenn Sie wegen der hohen Energiekosten weniger Geld für den Urlaub haben?

Die Hälfte aller Bürger wird sich dadurch nicht beeinflussen lassen und entweder reisen wie geplant oder zu Hause bleiben, wie ohnehin vorgesehen. Zehn Prozent wollen für die Ferien sparen, beim Essen oder bei Vergnügungen. Ein Großteil der Reisewilligen will am Urlaub selber sparen, also preiswertere Arrangements oder Unterkünfte suchen, weniger weit oder weniger lang verreisen. Knapp zwei Millionen wollen gegebenenfalls auch auf die zweite oder dritte Tour des Jahres verzichten. Immerhin: Es bleibt eine stattliche Zahl von Bürgern, die ihre Urlaubsreise ersatzlos streichen wollen, wenn die Energiepreise zu heftig steigen. 8,6 Millionen Deutsche kalkulieren so.