• Die Bundesregierung hat kürzlich ein Programm zur Förderung der Fernwärme beschlossen. Das ist ein weiterer Beitrag, um Öl zu ersetzen. Sie nun sind besorgt, daß dieses Programm oder der Einsatz von Fernwärme überhaupt nicht realisiert werden könnte. Wo sehen Sie die Gefahren?

Lennings: Zunächst muß man sagen, daß die Fernwärme energiepolitisch außerordentlich interessant ist. Ich glaube, daß etwa 20 Prozent des Niedrigtemperatur-Wärmebedarfs – also der Wärmebedarf der privaten Haushalte – innerhalb eines Jahrzehnts über Fernwärme gedeckt werden kann. Das würde immerhin eine Einsparung von über zehn Millionen Tonnen leichten Heizöls bringen. Meine Besorgnis ist folgende: Für Fernwärme muß man dezentrale Heizkraftwerke bauen, weil die Kosten für die Wärmeverteilung von Großkraftwerken aus viel zu hoch sind. Die Heizkraftwerke haben nun zwei Funktionen, sie erzeugen Wärme und Strom. Deshalb spricht man ja von Wärme-Kraftkoppelung. Da die Stromerzeugungskosten in kleinen Anlagen höher als in großen sind, ergibt sich eine Verteuerung. Die allein ließe sich noch verkraften, müßte nicht mit einer weiteren Verteuerung durch die Auflage der Rauchgasentschwefelung gerechnet werden. Die Rauchgasentschwefelung in kleinen Anlagen ist gleichfalls teurer als im großen Kraftwerk und dürfte bei etwa drei Pfennig je Kilowattstunde liegen. Ich befürchte, daß diese doppelte Belastung für ein Heizkraftwerk so hoch wird, daß man die Heizkraftwerke nicht in größerem Umfang bauen wird.

  • Weil der teure Strom nicht abgesetzt werden kann und sich damit auch der Einsatz der Fernwärme nicht lohnt?

Lennings: Das ist genau der Punkt.

  • Ist denn die Rauchgasentschwefelung für kleine Heizkraftwerke im, Rahmen der Fernwärmenutzung schon Pflicht?

Lennings: Juristisch ist das noch nicht genau geklärt. Im Augenblick müssen in Nordrhein-Westfalen alle Kraftwerke über 420 Megawatt rauchgasentschwefelt werden. Es bestehen aber Tendenzen, die Grenze nach unten auf 175 Megawatt herunterzusetzen. Und dann würde eben die geschilderte Problematik entstehen, weil die kleinen dezentralen Heizkraftwerke etwa in dieser Größenordnung liegen.

  • Wäre denn die Umweltbelastung durch diesen Kraftwerkstyp nicht zu verkraften, wenn man berücksichtigt, daß die privaten Haushalte, die ja dann mit Fernwärme versorgt werden, ihre Öl- oder Kohlefeuerung und damit auch ihre Abgasemissionen einstellen?