Von Heinz-Günter Kemmer

Sie handeln mit Stahl und Schrott, mit Küchen und Klosettschüsseln, mit Heizöl und Heizungen. Was für den Laien ein bißchen viel unter einem Dach ist, hat bei den großen Handelshäusern an der Ruhr Tradition. Was ein richtiger Händler ist, der kann anscheinend alles. Irgendwann haben sie mit Kohle und Stahl begonnen, inzwischen sind einige von ihnen sogar bei Lebensmitteln gelandet.

Da ist das Familienunternehmen Haniel mit einer Beteiligung an den Metro-Großmärkten. Da betreiben die Veba-Töchter Raab-Karcher und Stinnes gemeinsam die Agros-SB-Großmärkte und die Divi-Warenhäuser. Und im Baumarktgeschäft, der neuen Attraktion für den Heimwerker, sind sie ohnehin vertreten. Daß Stinnes nun auch noch eine Möbelkette im Ruhrgebiet übernehmen will, wundert da schon niemanden mehr.

Geradezu selbstverständlich erscheint da, daß sie das betreiben, was man Anlagengeschäft nennt – den mehr oder weniger schlüsselfertigen Bau ganzer Industriekomplexe. Bei Ferrostaal, der Handelstochter des GHH-Konzerns, begreift man das sofort. Sie begann mit dem Vertrieb der Produkte eines großen Maschinenbau-Konzerns. Und bei Klöckner & Co leuchtet das wegen der Verbindung zur Klöckner-Humboldt-Deutz AG auch noch ein.

Aber bei Thyssen war die Tochtergesellschaft Handelsunion schon im Anlagengeschäft aktiv, als die Mutter noch als lupenreiner Stahlkonzern agierte und vom Erwerb des Rheinstahl-Konzerns noch keine Rede war. Und noch mehr verwundert, daß die Handelsunion inzwischen zu einem der größten Verkäufer von Raffinerien geworden ist. Denn davon hat man auch bei Rheinstahl allenfalls mal etwas gehört – bauen kann man so etwas nicht.

Begonnen hat das mit der Frustration eines Stahlverkäufers in Teheran, der den Persern unbedingt Bleche und Profile aus der Thyssenhütte in Duisburg-Hamborn verkaufen sollte. Da das lange Zeit vor der Ölpreisexplosion war, saß den Persern das Geld aber keineswegs locker – er hatte wenig Erfolg. Aber er lernte Leute kennen, viele Leute. Und mit einem von ihnen kam er ins Gespräch über eine Sache, von der er recht wenig verstand – über den Raffineriebau.

Das Ergebnis war ein Auftrag über die Lieferung einer schlüsselfertigen Raffinerie in Teheran, den Helmut Gschwend, der Thyssen damals in Iran vertrat, seinen Bossen in Düsseldorf auf den Tisch legte. Natürlich konnte Thyssen die Raffinerie nicht entwerfen, geschweige denn bauen. Aber man wußte, wo das Know-how zu kaufen war: Bei den großen amerikanischen Unternehmen Fluor und Lummus, Bechtel und Foster Wheeler.