Hamburg

Es gibt gewiß gute Gründe, den Eiffelturm nicht zu mögen. Aber kann es sich jemand, der einen Reiseführer für Paris schreibt und den Eiffelturm abscheulich findet, leisten, dieses Stahlgerüst, das schließlich aus der Silhouette der französischen Metropole nicht wegzudenken ist, mit Verschweigen zu strafen?

Der Eiffelturm der hamburgischen Gastronomie heißt Landhaus Scherrer. Herrlich an der Elbchaussee gelegen, wenn auch auf der falschen Seite, hat sich dieses Restaurant für Spesenreiche in den letzten Jahren prächtig herausgeputzt und zu einem Vorreiter der nicht mehr ganz so. neuen nouvelle cuisine gemacht.

Ich selber finde dort die Bedienung gegenüber einem dem Hause unbekannten Besucher nachlässig, die Leistungen der Küche unterschiedlich und die Preise so hoch, daß ein schlichter Privatmensch sie sich nicht leisten kann. Für hundert Mark pro Person wird man nicht üppig versorgt. Eigentlich also bewundere ich den Varta-Inspektor, der so viel Chuzpe hat, in Hamburg das Restaurant, das viele für das beste halten, wenn es vielleicht auch nur das teuerste ist, einfach nicht zu nennen.

Ähnlicher Abenteurermut wie gegenüber dem Landhaus Scherrer ist in der Hamburg-Auswahl sonst nicht zu entdecken. Das sind ganz solide Empfehlungen, ein bißchen von gestern; aber das ist ja nicht so schlecht, Tradition ist auch in der Gastronomie wichtig.

Ich wäre mir nicht sicher, ob man das Restaurant auf dem Süllberg oder das ehemals Sellmersche Fischereihafen-Restaurant wirklich noch als „lobenswert“ (eine rote Kochmütze) bezeichnen darf. Andererseits freut es mich, daß Ehmkes Kochmützenlob überdauert hat. Das Restaurant leidet noch unter den Folgen seines Umzugs aus der Stadtmitte (Gänsemarkt) auf den gar nicht zentrumsfernen, aber eben doch durch den Ost-West-Autobahn-Zubringer abgeschnittenen Cremon. Man muß dorthin jetzt ein wenig langer zu Fuß gehen, als die Geschäftsreisenden gern in Kauf zu nehmen bereit sind. Mit dem Auto ist zwischen den Neubelebungsversuchen dieser Freihafengegend schwer Durchkommen und Parken ist praktisch unmöglich. Wenn Ehmke solche Mißlichkeiten übersteht, dann wird es mein Geheimtip: Nirgendwo habe ich dieses Jahr besser gegessen, und das zu akzeptablen Preisen.

Da können „Michelsen“ (das Hamburger Äquivalent zu Münchens „Käfer“) Und „Peter Lembcke“ und „Schümanns Austernkeller“ nicht mithalten. „Cöllns Austernstuben“ hingegen sind eine andere Sache. Da scheiden sich seit langem schön die Geister. Der, dem eine Karte ausreicht, auf der es zwei exzellente Fischgerichte und zwei vorzügliche Fleischgerichte gibt neben dem üblichen Tandaradei, dazu dezente Bedienung in hanseatischem Ambiente, würde Colin in der Hamburger Gastronomie ungern missen.