Von Ansgar Skriver

Hätte ich dieses Buch auch ohne den Auftrag gelesen, darüber in der ZEIT zu schreiben? Ehrlich: übers Durchblättern wäre ich nicht hinausgekommen, hätte dann allerdings auch nicht feststellen können, daß die beste Zusammenfassung fünf erkennbarer „Tendenzen“ der 24 Beiträge bekannter Autoren im Vorwort des Herausgebers steht, in einem Vorwort der Konzentration und des Resümees –

„Warum ich Christ bin“, herausgegeben von Walter Jens; Kindler Verlag, München, 1979; 383 S., 29,80 DM.

Es gab schon Ähnliches, etwa „Warum bleibe ich in der Kirche?“ Das ist ein Typ von Umfrage, offenbar eher als andere umfragegeeignet, radioserienverdächtig, mit anschließender Drucklegung. Also ein Stück Kultur- und Verlagsbetrieb – „Warum ich Marxist bin“, das gibt es ja auch schon. Wem helfen die Antworten auf die fragezeichenlose Frage?

Selbst kein Berufstheologe, lese ich neugierig, aufgeschlossen dem schwer Verständlichen. Also Gott: „Vielleicht wäre er für mich nur ein Tremendum und nicht zugleich ein Faszinosum, wenn nicht Gottes Begegnung in Jesus möglich wäre. Dies einzugestehen gebe ich als den tiefsten Grund an, warum ich Christ bin...“ (Eckert). Und Karl Rahner – der große Theologe unserer Zeit. Ich bin bereit, ehrfurchtsvoll in mich aufzunehmen: „Wo diese Selbstzusage Gottes auf den personalen Geist (des Menschen) auf trifft, seine Dynamik auf Gottes Unmittelbarkeit selbst hin radikalisiert und Gott in sich selbst (wenn auch als das unumfaßbare Geheimnis) zum Zielpunkt und zugleich zur Dynamik des menschlichen Geistes und seiner Geschichte macht, ist schon in einem wahren, wenn auch noch unreflektierten und nicht verbalisierten Sinne das gegeben, was wir christliche Offenbarung im eigentlichen Sinne nennen.“

Mich erschöpft derartige Schreibweise schnell, ich habe zu große Mühe damit und atmete daher auf bei der Mitteilung von Johann Baptist Metz an den Herausgeber: „Ich mißtraue dem Projekt ... Das Bekenntnisbuch einer christlichen Reflexionselite (oder salopper: von VIP-Christen)?“ So Metz – Dank! – angesichts der ihm übersandten Liste der Beiträger.

Metz, der dem Projekt mißtraut – sehr lesenswert, politisch, praktisch, Nachfolge und Glaube. Religion Opium des Volkes (er kennt Marx und zitiert daher richtig) – das Thema kommt auch in anderen Teilen des Buches vor, erweist sich also als provokativ, ebenso die Frage, wie man Christ „nach Auschwitz“ sein könne – das sind Probleme einer ganzen Generation, die hier versammelt worden ist: 13 der 24 sind in den zwanziger Jahren geboren, zwei in den dreißigern, deren jüngerer 1934, die andern älter.