Im Mai wird die Union ihre Wahlkampfmannschaft präsentieren – eine stattliche Truppe; unter einem Dutzend wird es kaum abgehen. Um Strauß wird fast alles versammelt, was in der Union Rang und Namen hat: Kohl, Dregger, Biedenkopf, Zimmermann, Kiep, dazu wohl die drei Ministerpräsidenten Stoltenberg, Albrecht und Späth sowie zwei Oberbürgermeister, Rommel (Stuttgart) und Wallmann (Frankfurt), möglicherweise auch noch Bundestagspräsident Stücklen, damit das CSU-Angebot sich auch zahlenmäßig neben dem der CDU sehen lassen kann.

Wie Stücklen so werden auch manche andere aus der Mannschaft wohl kaum in einem Kabinett erscheinen – sicher keiner der Ministerpräsidenten, auch die Oberbürgermeister nicht und mit einiger Gewißheit auch nicht Kohl. Es ist eine Mannschaft für den Wahlkampf, aber nicht für die Regierung.

Wer für Kabinettsposten designiert ist und für welchen, ist vorläufig noch das Geheimnis von Strauß, und es ist auch nicht zu erwarten, daß dieses Geheimnis, bis zur Wahl gelüftet wird. Einmal will Strauß freie Hand behalten, zum anderen ist die Aufstellung eines Schattenkabinetts ein. schwieriges Unternehmen, bei dem vieleBlessierte und Enttäuschte zurückbleiben.

In der Bundesrepublik hat dies nur einmal eine Partei gewagt, nämlich die SPD zur Wahl von 1965 – nicht zuletzt in der Absicht, den Kanzlerkandidaten Brandt mir einer Mannschaft zu umgeben, die dessen Wettbewerbsnachteile gegen Adenauer wettmachen sollte. Es ging auch damals nicht ohne Schmerzen ab, nicht jedes Ressort wurde besetzt, aber es war doch immerhin eine stattliche Kernmannschaft, in der die Anwärter auf die wichtigsten Ämter bekannt waren.

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Was das Auswärtige Amt angeht, so gibt es in der Union jetzt ein ziemliches Gedränge der Kandidaten: Kiep und Weizsäcker, der Abgeordnete Werner Marx und schließlich auch noch Dregger, der sich in der letzten Zeit demonstrativ in der Außen- und Verteidigungspolitik engagiert hat.

Im Verteidigungsressort fällt die Entscheidung wohl zwischen Zimmermann, Dregger und Wörner, auf das Arbeitsministerium macht sich Katzer noch Hoffnungen, für Wirtschaft und Finanzen stehen Biedenkopf und Häfele bereit, aber es ist, ebenso wie beim Bildungsressort, auch möglich, daß Strauß auf die Länderkabinette zurückgreift. Fürs Innenministerium könnten Zimmermann oder Dregger den Zuschlag bekommen.