Von Heinz Blüthmann

Daß ein Großbetrüger mit „weißem Kragen“ nicht ein wohlgefülltes Bankkonto in der Schweiz hat, ist selten. Daß so einer nicht seine Kunden erleichtert, sondern seine Geldgeber und die ergaunerten Millionen dann wiederum fast nach Art eines modernen Robin Hood seinen Kunden zugute kommen läßt, statt sie in die eigene Tasche zu stecken, dieser Fall dürfte in der Wirtschaftskriminalität einmalig sein. Wenn es stimmt, was die Lübecker Staatsanwaltschaft ermittelt hat, dann ist Erich Wolf ein solcher Fall.

Denn der 58jährige Wolf, dem seit Mittwoch dieser Woche vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Lübeck im Saal 157 der Prozeß gemacht wird, soll als Chef der drittgrößten deutschen Verbrauchermarktkette SB „mehr wert“ den Namen seines Unternehmens auf ungewöhnliche Weise „alle Ehre“ gemacht haben.

Um die durch Niedrigstpreise entstandenen „erheblichen Verluste des Unternehmens zu vertuschen“, so heißt es in der Anklageschrift, hätten Wolf und die beiden mitangeklagten „mehr wert“-Geschäftsführer Siegfried Kowalski und Werner Mertins „in den Jahren 1972 bis 1976 fortgesetzt Urkundenfälschung und Betrug begangen“.

Mit „mehr wert“-Bilanzen, in denen auf wundersame Weise aus roten schwarze Zahlen wurden, sollen Wolf & Co achtzehn Banken um „91 Millionen Mark“ betrogen haben und außerdem „mit der unrichtigen Behauptung, das Unternehmen floriere und werfe großen Gewinn ab, mindestens hundert Kommanditisten getäuscht“ und um „über 32 Millionen Mark“ erleichtert haben.