Schöne grüne WeltSeite 10/20

Zundel: Was geschieht aber, wenn man auf eine bestimmte Art von Energiegewinnung ganz verzichtet? Ist es überhaupt möglich und denkbar, daß man sich aus dem internationalen Wirtschaftsprozeß ausklinkt und eine Art von kleiner, nationaler Autarkiewirtschaft betreibt?

Hasenclever: Andersrum: Gibt es eine realistische Möglichkeit, ein vernünftiges Wirtschaftssystem zu gestalten, ohne Kernenergie, oder gibt es sie nicht? Es gibt sie zweifellos, nämlich die sogenannten alternativen Energieformen.

Jungblut: Bei alternativen Energieformen muß man auch Risikoberechnungen anstellen. Ob bei der Ölsuche in der Antarktis oder beim Schürfen von Kohle – stets kommt es zu Unfallzahlen, die unter normalen Bedingungen höher sind als in der Atomenergie.

Kelly: Aber nicht genetische Schäden, über Jahrtausende und Jahrmillionen!

Dönhoff: Zurück zur Grundfrage: Wie reagiert eine kapitalistische oder sozialistische Wirtschaft, wenn das eingeplante Wachstum ausbleibt? Was passiert mit den Menschen, die alle noch riesige Erwartungshorizonte haben und jedes Jahr etwas mehr haben wollen? Wie machen wir uns und anderen klar, daß eine neue Zeit beginnt?

Rommel: Ich glaube, das ist vielen schon klar.

Dahrendorf: Ich lebe in England, das seit hundert Jahren relativ hinterherhinkt und in den letzten zehn Jahren mit einen Negativ-Wachstum fertigwerden mußte. Am Anfang dieses Jahrzehnts haben die Leute von der Regierung erwartet, daß sie weiter für stetes Wachstum sorgt. Am Ende dieses Jahrzehnts sind die Leute, und zwar zu denselben Prozentsätzen – ungefähr achtzig Prozent – der Meinung, daß die Parteien und der Staat dazu nicht mehr imstande sind. Ich halte das für den ersten Schritt. Der zweite Schritt wird sein, daß die Erwartungen selber kippen und sich stabilisieren. Kein Mensch glaubt mehr, daß Wachstumsraten von vier, fünf oder sechs Prozent aufrechterhalten werden können.

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