Bei einem Eiskaffee im Münchner Nymphenburg-Viertel besiegelten an einem Sommertag des Jahres 1966 zwei mittellose Olivetti-Vertriebsleute einen folgenschweren, für sie goldrichtigen Entschluß: Der aus der Gegend von Altötting stammende Meß- und Regelmechaniker Lorenz Niederleitner und sein damaliger Vorgesetzter, der Kaufmann Peter Schmidt aus Wetzlar, beschlossen ihre gemeinsame Zukunft als freie Unternehmer.

Der Oberbayer und der Hesse haben ihre Entscheidung nicht bereuen müssen. Denn heute sind Schmidt, nun 43, und Niederleitner, 38, als geschäftsführende Gesellschafter der MBO Schmidt & Niederleitner GmbH & Co. KG mit Sitz in Deisenhofen bei München Inhaber eines florierenden Unternehmens mit einem Jahresumsatz von 125 Millionen Mark. Und stolz können sie sich „deutsche Marktführer“ bei elektronischen Tisch- und Taschenrechnern ebenso wie bei Quartz-Uhren nennen.

Den beiden MBO-Bossen war es damit gelungen, sich Zugleich in zwei zukunftsträchtigen Märkten zu engagieren, die zudem miteinander eng verbunden sind. Ihr Erfolgsrezept: sich mit ausgesprochen preisgünstigen Produktionen zu profilieren.

Als Schmidt und Niederleitner die am 1. Juli 1967 gegründete Firma beim Handelsregister anmelden wollten, schwebte ihnen noch der anspruchsvolle Name „Münchner Büro-Organisation“ vor. Doch der Registerrichter winkte ab: Solch ein Name setze eine beachtliche „Größe“ voraus. Also ließen es die beiden Gründer, die mit einem „Startkapital Null“ (Niederleitner) ohnedies zunächst keine großen Sprünge machen konnten, bei der Abkürzung „MBO“. Und dabei ist es bis heute geblieben.

Überwiegend mit Lieferantenkrediten bauten die beiden ihr Handelsunternehmen aus. Von Olivetti, Olympia und Adler bezogen sie Büro- und Rechenmaschinen, die sie an Firmen weiterverkauften. Im ersten Jahr wurden knapp hunderttausend Mark umgesetzt, am 1. Januar 1968 konnte die erste Mitarbeiterin eingestellt werden. Im Jahre 1969 wurde die erste Umsatzmillion erzielt. Doch da importierten sie auch schon den ersten elektronischen Tischrechner aus Japan, zum Preis von 4500 Mark.

Dieser kam sozusagen „aus dritter Hand“ über den Hamburger Importeur, den Frankfurter Generalvertreter und den Münchner Regionalvertreter und war somit viel zu teuer. Deshalb flog Niederleitner 1970 nach Japan und verhandelte mit der (inzwischen vom Markt verschwundenen) The General Corporation. Zusammen mit einem japanischen Handelshaus wurde nun ein Direkteinkauf organisiert.

Der „General“ aus Japan brachte den Aufschwung. Schon bald freilich waren es die zwei ehrgeizigen Verkaufsleute leid, daß sie auf ein zudem viel zu wenig entwicklungsfähiges Fabrikat angewiesen waren. Andere Lieferanten aus Japan kamen hinzu, und 1972 wurde die Marke „MBO“ als gemeinsames Dach kreiert.