Hamburg

Nun ist auch Do Anh Lan tot. Neun Tage nach dem Bombenanschlag auf das Ausländerwohnheim in Hamburg-Billbrook starb der 18jährige Vietnamese an seinen schweren Verbrennungen. Damit haben die Aktivitäten rechtsradikaler Gewalttäter ein zweites. Todesopfer gefordert. Doch bisher gibt es noch keinen Fahndungserfolg.

Nur eines scheint sicher: Den Brandbombenanschlag in Hamburg verübten andere Täter als jene, die in Lörrach, Esslingen und Zirndorf am Werk waren: Die neonazistischen „Deutschen Aktionsgruppen“. Die Bundesanwaltschaft hat inzwischen das Bundeskriminalamt mit der Fahndung nach ihnen beauftragt. Wie Oberstaatsanwalt Piesker in Karlsruhe bestätigte, ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen die „Deutschen Aktionsgruppen“ wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung und wegen fünf Sprengstoffanschlägen: auf die Auschwitz-Ausstellung in Esslingen, auf das Haus von Landrat Braun, auf die Janusz-Korczak-Schule in Hamburg, auf das Durchgangslager in Zirndorf und die Äthiopier-Unterkunft in Lörrach (ZEIT Nr. 37) Mehrere Rechtsextremisten wurden inzwischen verhaftet, darunter der Anwalt Manfred Röder.

Nach dem Brandbombenanschlag in Lörrach, bei dem zwei Frauen verletzt wurden, erhielten mehrere Betreuer äthiopischer Flüchtlingskinder Briefe mit rechtsradikalen Parolen. Sie hätten um ihre „Gesundheit“ zu fürchten.

Schon Mitleid mit den Opfern erregt die Wut der rechten Bombenwerfer: amnesty international-Mitglied Helmut Pietschmann erhielt einen anonymen Anruf, nachdem er einen Kranz für den toten Vietnamesen Ngoc Nguyen in Hamburg-Billbrook niedergelegt hatte. Ein Deutscher vom „Wiking Orden“ wollte Pietschmann wissen lassen, daß auch für ihn bald „ein Kranz fällig“ sei.

Eine öffentliche Großfahndung nach den „Deutschen Aktionsgruppen“, die bis vor wenigen Tagen noch in Erwägung gezogen wurde, soll indessen unterbleiben. Die Bundesanwaltschaft fürchtet, die Täter in den Untergrund zu treiben. Im Bundeskriminalamt hingegen argumentiert man formalistisch: „Bevor es zu einer Öffentlichkeitsfahndung kommt, brauchen wir einen Richter, der einen Steckbrief erläßt. Ein Haftbefehl allein reicht nicht aus.“

Da es aber angesichts der vorhandenen Indizien – für alle fünf Anschläge wurden ähnliche Rohrbomben mit Zündern desselben Fabrikats benutzt – nicht schwer sein dürfte, einen solchen Richter zu finden, gibt es vermutlich einen anderen Grund für die Zurückhaltung: Man glaubt, durch die Beobachtung der Täter den „großen Fang“ machen zu können. Michael Schwelien