Am Anfang war die Werbeabteilung. Als vor Jahren der Londoner Schulbuchverlag Heinemann Educational Books Ltd. darüber nachdachte, wie er seinen Umsatz in Schwarzafrika steigern könnte, kam die Public-Relation-Idee zum ersten Mal auf den Tisch: Warum sollte das renommierte Haus nicht mit dem schon prominenten nigerianischen Schriftsteller Chinua Achebe als Herausgeber eine preiswerte Taschenbuchreihe eröffnen, die ausschließlich schwarzafrikanischen Autoren offensteht. Der Fall wurde verhandelt, beschlossen und in die Tat umgesetzt. Heute ist Heinemanns „African Writers Series“ mit über 300 Titeln zum wichtigsten Verlagsobjekt im Dienste der schwarzafrikanischen Literatur geworden.

Rund dreißig Jahre ist es her, daß eine Handvoll Schriftsteller aus dem französischsprachigen Afrika darüber nachdachten, wie sie ihre Werke in Afrika und Europa wirkungsvoller bekannt machen könnten. Einige dieser schwarzafrikanischen Dichter mochten nicht mehr ertragen, in Pariser Verlagshäusern herablassend behandelt zu werden. So entstand – unter erheblicher Beteiligung weißen Kapitals – das afrikanische Verlagshaus „Présence Africaine“. Weil alle Staaten der damals noch französischen Gemeinschaft am leichtesten von Paris aus zu erreichen waren, verlegt „Présence Africaine“ auch heute noch in Paris.

Afrikanische Verlage in Afrika – das gab es lange überhaupt nicht. Bestenfalls existierten in einigen, den jeweiligen Kolonialmächten wichtig erscheinenden Hauptstädten ein paar Verlagsniederlassungen von Häusern der „Mutterländer“. Erst als die vor allem im Schulsektor arbeitenden Missionsgesellschaften merkten, daß sie eines Schrifttums bedürften, das zwar in Schule und Kirche Afrikas nötig, für Europa jedoch ohne jedes Interesse sei, entstanden die ersten afrikanischen Verlagsprodükte: Übersetzungen der ganzen Bibel oder wenigstens von Teilen der Heiligen Schrift, Liederbücher, Katechismen, Schulbücher und gelegentlich auch mal ein schmales Heft mit Gedichten oder Erzählungen.

Aus dieser Tradition ist zumindest ein afrikanisches Verlagshaus, die Edition CLE in Yaounde (Kamerun), entstanden, das sich zwar auch heute seiner kirchlichen Produkte nicht schämt, das aber vor allem wegen seiner literarischen und wissenschaftlichen Werke in ganz Schwarzafrika einen guten Namen hat.

Was die Edition CLE den Protestanten, das ist die Edition St. Paul den Katholiken – vertreten in mehreren französischsprachigen Hauptstädten des unabhängigen Afrikas. Versehen mit Druckereien auf neuestem handwerklichen und technischen Stand und mit kircheneigenen Vertriebswegen arbeitet dieser Verlag zwar nach wie vor im Schwerpunkt für Schule, Universität und außerschulische Bildung; aber wenigstens ein paar afrikanische Autoren haben hier ihre verlegerische Heimat gefunden wie beispielsweise der Kameruner J. C. Doumba oder G. Ouassenan von der Elfenbeinküste.

Aber trotz der respektablen Arbeit dieser beiden kirchlichen Verlagshäuser steckt Afrikas Verlagswesen nach wie vor in den Kinderschuhen. Staatsparteien haben versucht, durch Gründung nationaler Verlagshäuser dem verlegerischen Dilemma des afrikanischen Schriftstellers beizukommen. Aber mehr als ein paar schmale und lammfromme Titel sind dabei bisher nicht herausgekommen.

Als sich vor Jahren die „Union of Writer of the African Peoples“ gründete, benannte sie bitter die beiden Hauptgründe, die damals wie heute der Entwicklung eines eigenen afrikanischen Verlagswesens im Wege stehen: – das Gros der gebildeten Bevölkerung Schwarzafrikas gehört in den Einflußbereich der beiden ehemaligen Kolonialsprachen, des Englischen und des Französischen. Zwischen beiden Sprachräumen bestehen so gut wie keine Beziehungen; stattdessen wirken andere Bindungen weiter – die zur Welt des Commonwealth und die zur communaute française. Der Übersetzung von der einen in die andere Sprache werden nur ganz wenige, herausragende Schriftsteller gewürdigt. Und alle Versuche der „Union of Writer of the African Peoples“, das Swaheli als einigende Sprache für Schwarzafrika zu propagieren, sind bisher gescheitert.