Neue Anlagephilosophie bei den Aktien

Der deutsche Aktienmarkt war in diesem Jahr sehr viel; bewegter, als es der geringe Anstieg des Commerzbank-Index um rund 2,5 Prozent auszusagen vermag. In zahlreichen und durchaus marktgängigen Aktien ließen sich Kursgewinne von 20 Prozent, und mehr erzielen. Und dies in einer Zeit, in der die Bundesbank die Restriktionszügel straff hielt und die oftmals prognostizierte Zinssenkung ausblieb.

In diesem Jahr machten bislang nicht die klassischen deutschen Standardaktien das Rennen, sondern Papiere von Unternehmen, die in den Augen der professionellen Investoren etwas Besonderes zu bieten haben. In den letzten Monaten wurden die großen Portefeuilles der institutionellen Anleger kräftig umgeschichtet. Und je mehr dabei die Aktien der Großchemie, der Großbanken, der namhaften – Maschinenbauer, aber auch von Siemens auf der Strecke blieben, desto eher ließen sich die stets auf Rendite ihrer Anlagen bedachten Versicherungsmanager von der Notwendigkeit eines radikalen Umdenkens überzeugen.

Den letzten Anstoß dazu gab die Kursentwicklung von BASF, Bayer und Hoechst. Obwohl sich bei den Aktien dieser Unternehmen auf Basis der für 1979 gezahlten Dividenden heute Renditen (unter Berücksichtigung der Körperschaftsteuerguthaben) von mehr als zehn Prozent ausrechnen lassen, werden sie börsentäglich in vielen tausend Stück angeboten. "Wer Rendite haben will, muß festverzinsliche Papiere kaufen. Aktien sollen Wertzuwachs, also Kursgewinne bringen!" Das ist kurzgefaßt der Slogan, mit dem ans Renditedenken gewöhnte Versicherungsmanager von den Effektenberatern der Banken ins neue Fahrwasser gedrängt werden.

Nun fällt es nicht gerade schwer, von den Aktien der Großchemie Abschied zu nehmen. In der Vergangenheit haben sie ihren Besitzern nicht viel Freude bereitet, nicht einmal in Zeiten des Chemie-Booms. In den Wertpapierdepots deutscher Anleger waren sie ebenso reichlich vertreten wie in den deutschen Aktienfonds. Mit Rücksicht auf eine gesunde Streuung vertrugen die Aktienbestände keine weitere Anreicherung mit Großchemie-Aktien; und neue Interessenten waren nur unter Schwierigkeiten zu finden. Nicht einmal im Ausland. Woher sollte bei ihnen also ein Kursauftrieb kommen?

Ähnlich ist die Situation bei den Aktien der Großbanken. Auch hier gibt es eine deutliche Übersättigung. Wenn nun zusätzlich die Dividenden ins Gerede kommen – wie jetzt bei der Commerzbank und der Dresdner Bank –, trennt man sich leicht von diesen Papieren. Etwas Besonderes haben sie ohnehin nicht zu bieten.