Afghanistan befindet sich in einer aussichtslosen Situation. Präsident Karmal kann sich weder politisch noch militärisch durchsetzen und dem Land droht eine Hungersnot.

Kurz bevor Präsident Karmal vom Staatsbesuch in Moskau zurückkehrte, ist offensichtlich ein Militärputsch in Kabul gescheitert. Sowjetische Truppen umstellten die wichtigsten Garnisonen der afghanischen Armee, der Putsch blieb in seinen Anfängen stecken.

So führte die Sowjetunion praktisch vor, was sie Karmal demonstrativ versichert hatte: Das "revolutionäre Afghanistan" könne auf ihre unerschütterliche Unterstützungbauen.

Das emphatische Kommuniqué fügt dem Freundschaftsvertrag von 1978 sachlich nichts hinzu. Es veranschaulicht aber konzentriert den politischen Zweck des Staatsbesuchs. Der Welt wird gezeigt, daß der Kreml nicht daran denkt, Karmal aufzugeben. Die sowjetische Staats- und Parteiführung stattet ihn mit jener Legitimität aus, an der es ihm mangelt.

Die Abschlußerklärung fordert erneut zu einer politischen Regelung des Afghanistan-Konflikts auf. Aber sie schränkt gleichzeitig ein, Moskau werde nur unter der Bedingung verhandeln, daß die Regierung Karmal anerkannt wird; dann erst seien direkte Gespräche mit Pakistan und Iran diskutabel. Von einem Rückzug der Invasionstruppen könne keine Rede sein, solange die Aufständischen unterstützt würden.

Karmal wird das Odium des Landesverräters nicht los. In Kabul ging sogar das Gerücht um, er würde gerne zurücktreten, müsse aber an der Macht bleiben, da es keine Alternative zu ihm gebe. Tatsächlich ist immer noch nicht zu sehen, wie Karmal, trotz der massiven militärischen Unterstützung, den Krieg gewinnen und sich als afghanischer Machthaber durchsetzen könnte.

  • Karmals Pacham-Fraktion der Kommunistischen Partei, die von der städtischen Intelligenz dominiert wird, wird von der Chalq-Fraktion, die sich aus ländlicher Bevölkerung rekrutiert, mit tödlichem Haß verfolgt.