Hannover

Am Mittwoch voriger Woche, kurz nach der offiziellen, Landespressekonferenz (LPK), zogen sich die Mitglieder der Konferenz zur dritten Quartalssitzung des Jahres zurück. Unter anderen stand der Antrag auf Mitgliedschaft zweier Redakteure der linken Tageszeitung (TAZ) aus der Regionalredaktion Hannover auf der Tagesordnung,

Entsprechend der Satzung wurde in geheimer Abstimmung entschieden – und der Antrag mit Mehrheit abgelehnt. Dieser für die TAZ "unverständliche Schritt" wird ihre Redakteure zwar nicht vom Informationsfluß abschneiden, ebensowenig wie der Beschluß der IG-Metall-Pressestelle, die TAZ von Pressekonferenzen und Veranstaltungen auszusperren; "beide Beschlüsse zeugen aber von einer nicht vorhandenen Souveränität", meint TAZ-Redakteur Erwin Jurtsits, der am Freitag wieder klammheimlich und ungestört auf der-Pressebank Platz nehmen durfte. Doch es ging, so mutmaßt ein Mitglied der LPK, das am Mittwoch bei der Abstimmung nicht dabei war, den Kollegen auch mehr um die "sorgfältig dosierte Pressefreiheit": "Die etablierten Schönfrager fürchten um ihre Pfründe."

Die LPK, die sich aus Redakteuren niedersächsischer und überregionaler Zeitungen zusammensetzt, ist, so sagt ihr Erster Vorsitzender Rolf Zick, "keine Institution, des Landes, sondern eine Arbeitsgemeinschaft von Journalisten, die sich ihre Arbeit erleichtern wollen"; Zweimal in der Woche, mittwochs und freitags, trifft man sich mit den Pressechefs der Ministerien und Bundesbehörden im Konferenzraum des Landtags. "Wer Mitglied werden will", so Zick, "muß hauptberuflicher Journalist sein, hauptsächlich über die Landespolitik berichten und sollte regelmäßig an der Landespressekonferenz teilnehmen." Doch die 65 Mitglieder sind selten bei der Stange zu halten. Die Bedingungen könnte auch nicht mehr als ein Drittel erfüllen.

So war am Mittwoch lediglich der "harte Kern", nämlich 23 Kollegen, beisammen. Selbst Zick mutmaßt, daß viele Kollegen "die TAZ gar nicht richtig kennen",.’nur wissen, daß sie "links" und "alternativ" sein, soll, "doch wie viele Politiker stimmen denn in den parlamentarischen Gremien ab, ohne etwas davon zu verstehen". Auch gesteht der Vorsitzende der LPK: "Ich kann mir vorstellen, daß viele geglaubt haben, daß dann vielleicht kein vertrauliches Gespräch mit unseren Partnern mehr möglich sein wird."

Damit man ihnen aber nicht den Vorwurf machen kann, ein "Exklusiv-Klub" zu sein, beschlossen die Mitglieder, die TAZ-Leute auf die Zusatzliste zu setzen. Damit wären diese Gast der LPK und hatten. auch formal das Recht, daran teilzunehmen. "Da sind wie sehr große zügig", erläutert Zick die demokratische Tradinon, der LPK Niedersachsen, nach deren Gründungsmuster im Jahre 1947 all die anderen Landespressekonferenzen im Bundesgebiet entstanden sind: "Der Vorstand könnte zwar jemand ausschließen oder ihm das Fragerecht absprechen, doch das hat es in den letzten fünfzehn Jahren nicht gegeben."

Rechtlich wird schwer etwas zu machen sein. Das Stuttgarter Oberlandesgericht hatte vor Jahren schon einmal über die Aufnahme eines DKP-Mannes entschieden: Er brauche zwar nicht aufgenommen, dürfe aber nicht von Informationen ausgeschlossen werden.

"Es ist zwar nicht sehr schön, aber wie soll man es anders machen?" fragt Rolf Zick, der das Ganze durchaus für einen "demokratischen Vorgang" hält. Norbert Kandel