Das Parlament in Teheran zögerte die Entscheidung über eine Freilassung der amerikanischen Geiseln hinaus.

Die Spekulationen, Teheran werde die 52 amerikanischen Geiseln schon bei Wochenbeginn freilassen, haben sich als voreilig erwiesen. Nach zweitägigen Beratungen hinter verschlossenen Türen vertagte sich das iranische Parlament auf Mittwoch. Unklar blieb, ob nur die Modalitäten umstritten waren oder ob sich keine Mehrheit für die Freilassung selbst gefunden hatte.

Einer positiven Entscheidung widersetzten sich vor allem die religiösen Fundamentalisten. Staatspräsident Bani-Sadr hingegen wurde als Befürworter eingeschätzt. Seine Ernennung zum Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates bestätigte, daß er seine Macht seit Kriegsausbruch festigen konnte. Der Präsident machte sich vor dem Verteidigungsrat dafür stark, die „irakische Aggression“ vor der Weltöffentlichkeit anzuprangern. Da das internationale Prestige vor allem durch die Geiselnahme belastet ist, hielt sich die Hoffnung, die 52 Amerikaner würden vielleicht doch bald ausfliegen können.

Der parlamentarischen Diskussion liegen jene vier Bedingungen zugrunde, die Ajatollah Chomeini vor mehreren Wochen gestellt hat und die seitdem ständig wiederholt oder variiert worden sind: Freigabe der iranischen Guthaben; Verzieht auf amerikanische Rechtsansprüche aus der Zeit des Schah-Regimes; Garantie der Nichteinmischung; Rückgabe des Schah-Vermögens. Darüber hinaus haben die USA bereits zugesagt, ihr Handelsembargo aufzuheben und schon bezahltes Rüstungsmaterial zu liefern.

Präsident Carter hat seine Iran-Politik vorsichtig modifiziert. Der Iran hatte ihm vorgeworfen, den Irak zu unterstützen, weil er Saudi-Arabien – einem Verbündeten des Bagdader Regimes – vier Radarflugzeuge vom Typ Awacs geliefert habe. Vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gab der amerikanische Botschafter McHenry nun die Erklärung ab, Irans Stabilität liege im Interesse der gesamten Region am Golf. Er plädierte indirekt dafür, daß Irak seine Truppen aus besetzten iranischen Gebieten abziehe, um Friedensverhandlungen zu ermöglichen.

Offiziell wird jeder Zusammenhang von Geiselfrage und Krieg geleugnet, das hat Bani-Sadr selbst gesagt; er hoffe auf einen „dramatischen Effekt“, sobald die Geiseln freigegeben sind. Allerdings würde es vermutlich Wochen dauern, bis zum Beispiel das von Amerika gelieferte Rüstungsmaterial zum Einsatz kommen könnte.

Die Front in der iranischen Ölprovinz Chusistan verläuft bei der Hauptstadt Achwaz und der Garnisonsstadt Desful etwa 65 Kilometer tief auf iranischem Gebiet. Der Belagerungsring um Abadan und Chorramschar wird immer enger gezogen, ohne daß der Widerstand der iranischen Revolutionstruppen endgültig gebrochen worden ist.