Von Hans-Hagen Bremer

ZEIT: Graf Davignon, wegen Ihres Stahlkrisenplans wäre es in der Europäischen Gemeinschaft fast zu einem Stahlgewitter gekommen. Warum? Haben Sie die Interessenlage der Bundesrepublik falsch eingeschätzt? Oder hat man in Bonn geschlafen und erst im letzten Augenblick gemerkt, was sich anbahnt?

Davignon: Das ist viel komplexer, als es in Ihrer Frage anklingt. Ich möchte dazu kurz auf die Vorgeschichte zu sprechen kommen. Die Stahlindustrie steckt schon lange in Schwierigkeiten. Um da herauszukommen, hatte die, deutsche Stahlindustrie schon vor geraumer Zeit mit den Produzenten in Luxemburg und den Niederlanden eine Zusammenarbeit vereinbart.

ZEIT: Sie meinen das erste Eurofer-Kartell dem sich später auch die Stall in den anderen EG-Ländern anschlössen?

Davignon: Ja, und mit dieser Zusammenarbeit wurde folgendes erreicht: Es wurden große Produktionsumstellungen durchgeführt, und zwar so, daß alle dabei auf ihre Kosten kamen, die Unternehmen genauso wie die Belegschaften, deren zahlenmäßige Verringerung über einen größeren Zeitraum gestreckt werden konnte.

ZEIT: Die deutsche Stahlindustrie geriet 1976/77 dennoch in neue Schwierigkeiten ...

Davignon: ... aber nicht nur die deutsche, denn inzwischen hatte die Krise auch die anderen erfaßt. Aus diesem Grund wurde dann die Zusammenarbeit im Rahmen der Eurofer-Vereinbarung auch auf die anderen Stahlunternehmen in der Gemeinschaft ausgeweitet. Das geschah unter. Aufsicht der EG-Kommission um sicherzustellen, daß es anständig und angemessen ~~~~~. Die Stahlunternehmen haben – auf freiwilliger Basis Produktionsbeschränkungen vorgenommen, die die notwendigen Anpassungen erlaubten. Wir haben dazu Hilfestellung geleistet – zum Beispiel durch die Zielvorgabe für die Restrukturierung und durch die Einführung, des Kodex für die Vergabe staatlicher Beihilfen.