Vor vier Jahren konnten die sozial-liberalen Unterhändler stillvergnügt beisammensitzen, um ihren Regierungspakt aufs neue zu schmieden, denn alle Aufmerksamkeit, galt damals der Opposition mit ihrem Kreuther Krach. Jetzt hingegen richten sich alle Augen auf die Koalitionsrunde im Kanzlerbungalow, auch deshalb, weil sich CDU und CSU nicht abermals in die Haare geraten, sondern nach ihrer Wahlniederlage mit bemerkenswerter Selbstdisziplin in den Oppositionsalltag zurückgekehrt sind.

Am klassischen Verhandlungsritual der Regierungspartner hat sich freilich wenig geändert. Bevor ihre Abgesandten zusammengetreten sind, haben SPD und FDP schon mal ganz deutlich hervorlugen lassen, was sie durchsetzen wollen, vorallem auch gegen den anderen. Nach solcher Profilpflege und Markierung der Ausgangspositionen herrscht dann eine Zeitlang ziemlich strikte Verschwiegenheit, die es zum Beispiel schon zur Nachricht werden läßt, daß die Herren gefüllte Kalbsbrust zu sich genommen haben.

Die dritte Phase schließlich wird, außer von den Verhandlungsergebnissen, von der Erläuterung dieser! Ergebnisse beherrscht werden: Warum es so kam, wie es gekommen ist. Das steht etwa für dieses Wochenende zu erwarten.

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Neu ist allerdings das sichtliche Bemühen um Rückkoppelung. Nachdem, am Mittwoch schon das sozialdemokratische Parteipräsidium sowie der Bundesvorstand und die Parlamentsfraktion der FDP Zwischenbilanz gezogen haben, kommt an diesem Freitagnachmittag die Bundestagsfraktion der SPD zur Inspektion der Verhandlungsresultate zusammen.

Das ist ein ganz ungewöhnlicher Termin – an der Schwelle zum Wochenende und zudem zu Allerheiligen, das in der halben Bundesrepublik, bei den Katholiken, Feiertag ist. Da lassen die bitteren Erfahrungen grüßen, die der Kanzler vor vier Jahren gemacht hat, als die SPD-Fraktion die von den Wahlkampfzusicherungen abweichenden Rentenbeschlüsse der Regierungsschmiede zornig vom Tisch fegte. Dergleichen soll sich keinesfalls wiederholen, auch nicht annähernd, auf welchem Gebiet auch immer.

Ganz stillvergnügt kann sich die Opposition indes an der Plage nicht weiden, die das Regierungsbündnis mit den Sachproblemen hat, auch wenn CDU und CSU ihr Fraktionspersonal am Dienstag dieser Woche erst einmal zum Betriebsausflug in die Eifel ausschwärmen ließen. Zwar würden die Christlichen Demokraten in eigener Sache ein solches Wort wohl nicht in den Mund nehmen, aber so etwas wie eine „Kulturrevolution“ hat ihr Fraktionsvorsitzender Helmut Kohl mit ihnen schon vor.