Bei sächselnden Winzern im Weinland an der Elbe

Von Sibylle Zehle

Der Serben Elbe – wer hätte ihr das zugetraut: Prunkende Gärten im weiten Tal, pralle Obstbäume auf mildgrünen Wiesen, und Berge, steil der Sonne zugeneigt; Weinberge sind es, Weinberge wirklich.

Der Strom, würdig, silbergrau auch hier, leistet sich diese fürwitzige Kurve keine zwanzig. Kilometer von Dresden entfernt, zwischen den Städtchen Radebeul und Meißen. Und obwohl viel weiter, offener als Weintäler an Neckar oder Main, liegt über der breiten, behäbigen Elbwanne die gleiche verspielte Leichtigkeit: Kapriziöse Lusthäuschen und Barockschlößchen verstecken sich zu Füßen der Hügel, und von den runden Weinbergkuppen schauen anmutige Belvederes ins Land.

Ein gesegnetes Stück Erde also, das einlädt zum gemächlichen Herumspazieren, zum Aufspüren von Kostbarkeiten aus kurfürstlichem Erbe – und zum Süffeln feinen Weins.

Genippt habe ich von dem seltenen Elbtaltropfen bereits bei sächselnden Winzern; einen leichten Gutedel, prächtig duftigen Müller-Thurgau, frisch spritzigen Riesling. Und immer, wenn die Gastgeber beim Einschenken ein vorsichtiges „sähr saur“ vorwegschickten, war’s, mir gerade am liebsten: Der Elbwein, herb und durchgegoren, vom nördlichsten Weinanbaugebiet Europas – er ist ein Gottesgeschenk.

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