Wo die Natur es einmal nicht so gut meint mit den Trauben, muß man eben ein bißchen nachhelfen. Nach diesem altbewährten Motto verfahren die Winzer in den nördlichen Weinbaugebieten – eingeschlossen die Luxemburger und Elsässer – offenbar auch in diesem Jahr. Die EG-Kommission hat ihr Flehen erhört: Wegen der schlechten Witterung darf der Most im Weinjahr 1980/81 stärker als sonst gezuckert werden, um den Alkoholgehalt zu erhöhen.

Und die Lobby in einigen deutschen Weinbaugebieten setzt gleich noch einen drauf: Sie will die Anforderungen an den Qualitätswein senken. Deutschen Tafelwein wird es also mit solchen – zugegeben erlaubten – Tricks auch in diesem Jahr kaum geben. Wo aber bleibt da die im deutschen Weingesetz festgeschriebene Dreiteilung in Tafelwein, Qualitätswein und Qualitätswein mit Prädikat?

Die Antwort der Weinwirtschaft ist stets die gleiche: Für Tafelweine gibt es in der Bundesrepublik keinen Markt. Warum aber kaufen deutsche Weintrinker die einfachen Weine aus Italien oder Frankreich? Da sollte doch auch der einfache deutsche Wein seine Trinkgemeinde finden! ms