Mit seiner Serie über Verhaltenstips für Asienreisende, die mit dieser Folge endet, will Jürgen Dauth Touristen vor Peinlichkeiten bewahren.

Als Urlauber in ländlichen, malaiischen Regionen sollten Sie in der Öffentlichkeit allzu deutliche Zärtlichkeitsbeweise gegenüber Ihrem Partner unterlassen. Dazu gehört auch das Händchenhalten. Berühren Sie niemals einen andersgeschlechtlichen Malaien mit der Hand, es sei denn, dieser macht den Anfang. Fragen Sie in einem muselmanischen Haus nicht nach Alkohol, und wenn Sie der Gastgeber sind, bieten Sie keinen an. Schlüpfrige oder süffisante Reden rufen Peinlichkeit hervor. Dies gilt übrigens für alle asiatischen Rassen.

Wenn Sie Malaien in ein Restaurant einladen, wählen Sie ein„Halal“-Restaurant aus, in dem nach islamischen Vorschriften gekocht wird. Moslems scheuen selbst vor zulässigen Speisen zurück, wenn in den Gefäßen zuvor „Haram“ Verbotenes, zubereitet wurde.

Die Malaien essen mit der rechten Hand. Erbittet man, in ein Malaienhaus eingeladen, als ungeübter Westler Bestecke, darf man nicht nach einem Messer fragen. Messer sind Waffen, die nicht beim Essen gebraucht werden. In der Regel essen erst die Männer, danach die Frauen. Bei westlichen Gästen machen die Malaien eine verstandnisvolle Ausnahme. Der Höflichkeit ist Genüge getan, wenn man wenigstens von allen angebotenen Speisen probiert. Darüber hinaus kann man sich mit gesundheitlichen Vorsichtsmaßnahmen entschuldigen. Nach dem Essen wird eine kleine Handwasch-Schale herumgereicht. Darin badet man die rechte Hand, während der Gastgeber aus einer Kanne frisches Wasser darübergießt. Zwei Regeln sollte der Westler noch beachten: Eine mündliche Einladung abzulehnen bedarf einer sehr plausiblen Begründung ~~~~ Unangemeldete Abendbesuche sollten nach der Gebetszeit stattfinden, gewöhnlich gegen 19.30 Uhr.

Moscheen, Tempel und andere religiöse Heiligtümer sind mit die attraktivsten Sehenswürdigkeiten in Asien. Hier ist die asiatische Seele am leichtesten verwundbar. In Moscheen und indischen Tempeln sowie anderen Moslem- und Hindu-Heiligtümern müssen Sie die Schuhe ausziehen, nicht aber in chinesischen Tempeln. Grundsätzlich folgt man dem Verhalten der Einheimischen. Andersgläubige sollten das Allerheiligste einer Gebetsstätte meiden. Es versteht sich von selbst, daß man sich in einem Tempel oder einer Moschee ebenso respektvoll verhält wie in einer christlichen Kirche. Religiöse Scherze, auch über andere Religionen, werden von den Asiaten als Blasphemie verachtet. Allzu offenherzige Kleidung, Shorts und dünne Blusen beispielsweise beleidigen das Auge der Gläubigen. Hindu-Tempel und Moscheen sind für Frauen während der Menstruation tabu.

Touristen waren gefühlsmäßig nur dann in einem fremden Land, wenn sie ein Souvenir ergattert haben. In den Einkaufszentren kann man in der Regel nicht handeln. Anders jedoch in Einzelhandelsgeschäften und im Basar. Die Faustregel ist, die Forderung um die Hälfte zu unterbieten und sich irgendwo in der Mitte zu treffen. Es ist falsch angebrachte Großzügigkeit, nicht zu handeln. Ist dies doch für die meisten Asiaten wichtiger als das Geld. Handeln ist eine feine, zumeist lustige Form der Kommunikation. Beide Seiten erfinden Gründe, warum ihnen das Gegenangebot unangebracht erscheint. Seien Sie nicht allzu trocken. „Stellen Sie sich vor, meine Kinder müßten hungern“, ist ein Argument, das zu einem spaßigen Austausch von Argumenten führen kann. Zum Handeln gehören Geduld und Humor.

Ein letztes Wort noch. Wen die vielen Tabus erschrecken, wer glaubt, sie nicht befolgen zu können, der sollte eine ganz wichtige Faustregel befolgen: Benehmen Sie sich natürlich, höflich und bescheiden. Der Asiate wird Ihnen dann die meisten Sünden vergeben.