Frank-Patrick Steckel inszeniert Shakespeares „König Richard II.“

Von Rolf Michaelis

Abschiedsstimmung In Bremen. In einer schönen, strengen Aufführung inszeniert Frank-Patrick Steckel im Theater am Goetheplatz Shakespeares „Tragödie von König Richard II.“ Das fünfaktige Versdrama aus dem Jahr 1595 ist eine kühne Mischung von Historienspiel, politischem Intrigenstück, narzißtischem Künstlerdrama und einer – Christi Leidensweg imitierenden – Passionsgeschichte.

Im symmetrischen Aufbau zeigt das Geschichtsdrama einen Herrscher erst an der Macht, dann im Elend. Ein König bewährt königliches Wesen gerade, indem er auf die Krone verzichtet, weil er sich ihrem Anspruch nicht gewachsen fühlt. Dieses Drama der Abdankung eines Herrschers inszeniert ein Regisseur, der gerade zusammen mit „seiner“ Gruppe abgedankt, seinen am Ende der Spielzeit auslaufenden Vertrag nicht erneuert und damit das Bremer Theater in kaum zu lösende Schwierigkeiten gebracht hat.

Shakespeares Regent darf in der „Bremer Fassung“, die Steckel zusammen mit der Regieassistentin Inka Paul und dem Dramaturgen Ingo Waßerka hergestellt hat, bekennen: „Herunter, ja, herunter komme ich / Wie Phaeton im Sonnenwagen, schimmernd, / Der seine Pferde nicht mehr zügeln kann ... / Herunter, Hof! Herunter, Herrlichkeit! / Die Lerchen sind verstummt, die Eule schreit.“

König Jedermann