• Stimmen die neuesten Zulassungszahlen für September Sie wieder zuversichtlicher für die deutsche Automobilindustrie? Von Kuenheim: Monatliche Zulassungszahlen sind ein schlechter Indikator für Veränderungen der Automobilkonjunktur. Einerseits schlagen Verzerrungen – bedingt etwa durch die zeitlich verschobenen Werksferien oder unterschiedliche Modellanläufe der einzelnen Hersteller – stark durch. Andererseits hinken sie der Nachfrage um Monate hinterher. Ein wichtigerer Hinweis für die Zuversicht, die Sie erwähnen, sind daher die Auftragseingänge. Für die Branche deutet sich für das Inland seit einiger Zeit Stabilisierung der Nachfrage an. Für BMW liegen die Auftragseingänge sogar insgesamt über dem Vorjahr, wobei hier besonders die Nachfrage aus dem Ausland angezogen hat.

  • Welche Möglichkeiten sehen Sie – auch um der japanischen Konkurrenz wirksamer zu begegnen – in einer verstärkten Zusammenarbeit europäischer Hersteller, beispielsweise bei der Fertigung von Komponenten? Von Kuenheim: Dies ist in der Tat eine der möglichen Antworten auf die japanische Herausforderung. Bei BMW geschieht es bereits. Nehmen Sie allein die von Steyr-Daimler Puch und BMW gemeinsam aufgenommene Entwicklung und Produktion von Dieselmotoren. Derartige Kooperationen sind übrigens ein Hinweis auf die besonderen Chancen mittlerer und kleinerer Hersteller, die sich auf ihr spezielles Know-how konzentrieren.
  • Man hört in jüngster Zeit von verschiedenen Interessenten für diese Dieselmotoren von Steyr. Wie steht es damit?

Von Kitenheim: Wir freuen uns, daß wir mit unseren Dieselmotoren zu den Anbietern auf dem Motorenmarkt zählen und nicht zu den Nachfragern. BMW-Steyr ist wegen der Lieferung mit einer Reihe von Unternehmen im Gespräch. Bekannt geworden sind die Gespräche mit British Leyland. Ein noch konkreteres Stadium haben unsere Verhandlungen mit Ford erreicht.

  • Es gibt ja allenthalben Überkapazitäten in der Automobilindustrie, aber – wie Sie wiederholt sagten – auch eine noch ungedeckte Nachfrage nach BMW-Modellen. Wäre es denkbar, daß Sie Ihr Projekt eines neuen Werkes angesichts der gegenwärtigen Branchensituation etwas strecken.

Von Kuenheim: Wie wir den weiteren Ausbau unseres Geschäfts bewerkstelligen, wird unabhängig vom konjunkturellen Auf und Ab entschieden. Die verschiedenen Möglichkeiten – die erwähnte Kooperation mit anderen Unternehmen, der Ausbau der vorhandenen Werke und der Bau einer weiteren Fabrik – sind also im Grunde eine Frage des Zeithorizonts der Entscheidung.

  • Sind Sie auch der Meinung, daß die Japaner in der Fertigungstechnik einen großen Vorsprung haben?

Von Kuenheim: In der Fertigungstechnik haben die japanischen Hersteller den einen Vorteil, daß sie mehr neuere Produktionsstätten und damit insgesamt einen höheren Automatisierungsgrad besitzen als wir in Europa. Aber diesen Vorsprung werden die europäischen Automobilunternehmen mit den enormen Investitionen der nächsten Jahre mindestens aufholen können. Der andere Vorteil der Japaner liegt in ihren geringeren Arbeitskosten, bedingt durch die sehr viel niedrigeren sozialen Belastungen. Dieser Vorteil wird nur dann auf Dauer einzuschränken sein, wenn auch die politische Welt und die Gewerkschaften einsichtsvoll daran mitwirken. Damit ist aber nicht alles zur Konkurrenzsituation mit den Japanern gesagt. Hinsichtlich des technischen Vorsprungs der Produkte sehen wir die größeren Vorteile auf unserer Seite.