Der Enthusiasmus für Sonnenenergie, so scheint es, ist nicht mehr zu bremsen: Ein erstes, papiergewichtenes Solarflugzeug quält sich mühsam voran. Ein deutscher Konstrukteur baut eine 75 Kilogramm leichte, dreirädrige Rikscha, die – nur bei schönem Wetter, versteht sich – mit 15 Kilometer pro Stunde dahinbraust. Im nordmexikanischen Provinzstädtchen La Paz will die deutsche Industrie eine Fischfabrik auf Solarstrombasis einrichten. Und in einem ägyptischen Dorf schließlich wird der Muezzin in Bälde seine Gläubigen mit einem solarbetriebenen Lautsprecher zum Gebet aufrufen: Deutsche Ingenieure bauen für den Ort eine Sonnenenergieanlage.

Selbst das kaum für möglich Gehaltene ist wahr: Rund 80 Prozent jener kritischen Tüftler unter unseren Landsleuten, die sich bereits eine Sonnenenergieanlage zugelegt haben und die – im internationalen Vergleich – nicht gerade als leicht zufriedenzustellen gelten, waren mit dem Betrieb im höchsten Grade einverstanden.

Kein Wunder, daß da selbst die Europäische Gemeinschaft ihre bisherige Meinung über den Haufen wirft. Bisher vertraten die Solarexperten die Meinung, in unseren Breiten lohne sich der Einsatz der Sonnenenergie nur für die direkte Warmwasserbereitung und erst weiter im Süden auch für die Stromproduktion. Jetzt wollen sie von diesem Tabu nichts mehr wissen. In einem speziellen Forschungsprogramm will die EG ergründen, ob nicht auch wir eines Tages den Sonnenstrom aus der Steckdose zapfen können.

Gegenwärtig läuft ein international gründlich abgestimmtes, ernstzunehmendes Programm zum Bau einer Reihe von Sonnenkraftwerken ab, bei dem sich herausstellen soll, in welchem Maße Sonnenenergie auf wirtschaftliche Weise nutzbar gemacht werden kann. So entstehen im spanischen Almeria unter der Federführung der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) gegenwärtig zwei Sonnenkraftwerke der Internationalen Energie-Agentur.

Die beiden neuen Anlagen werden prinzipielle Unterschiede aufweisen. Für das erste Kraftwerk wurde ein Entwurf der deutschen Firma Interatom ausgewählt (Interatom ist eine Tochterfirma der Kraftwerk Union AG, die wiederum zu 100 Prozent zum Siemens-Konzern gehört; die Firma ist zu 70 Prozent an der internationalen Gesellschaft beteiligt, die den Schnellen Brutreaktor in Kalkar baut). Die Anlage soll die Sonnenstrahlen mit Hilfe sehr präzis angeordneter Spiegelgruppen – ähnlich wie bei einem Brennglas – auf die Spitze eines 43 Meter hohen Turmes konzentrieren. Die entstehende Hitze bringt flüssiges Natrium auf eine Temperatur von 530 Grad Celsius. Das erwärmte Natrium fließt zum Fuß des Turmes und heizt dort in einem Wärmetauscher Wasser auf. Der entstehende Dampf treibt, wie in einem Kohle- oder Kernkraftwerk, über eine Dampfturbine den Generator zur Stromerzeugung.

Dagegen konzentrieren trogförmige Hohlspiegelt bei der zweiten Versuchsanlage die Sonnenstrahlen nicht auf einen Punkt, sondern jeweils auf eine langgezogene Linie. Im Verlauf dieser Brennlinie zirkuliert in einem Rohr Öl, das sich auf etwa 250 Grad Celsius erhitzt. Die Hitze wird dann wiederum mit Hilfe eines Wärmetauschers, einer Dampfturbine und eines Generators in Strom verwandelt.

Zusammen werden beide Anlagen etwa 80 Millionen Mark kosten, von denen die Bundesrepublik Deutschland mit 31,5 Millionen den Löwenanteil übernimmt. Den Rest teilen sich die acht weiteren Mitgliedsnationen der internationalen Energie-Agentur: Unter anderem geben Spanien 12,5 Millionen, Österreich drei Millionen, die Schweiz vier Millionen und die Vereinigten Staaten 14,5 Millionen Mark. Ein zweijähriger Probebetrieb soll zeigen, welche Betriebskosten im Dauerbetrieb anfallen.