Gert von Paczensky, einst Fernsehchefredakteur, plädiert fürs Privatfernsehen

Von Hang von Kuenheim

So sind Menschen nun einmal. Wer inbequem ist, den mögen sie nicht. Wer wann, mahnt, wider den Stachel lockt, den stellen sie in die Ecke und zeigen mit Fingern auf ihn: „Störenfried.“

Ein solcher Störenfried ist Gert von Paczensky. Bis zum Sommer dieses Jahres war er Fernsehchefredakteur in Bremen. Er schied dort mit Eklat aus, weil ihn die Machenschaften bei der Wahl des Programmdirektors anwiderten. In einem Artikel in dieser Zeitung, der in den Rundfunkanstalten großen Wirbel verursachte – ein Insider stört den Frieden –, ging er mit seinen Kollegen hart ins Gericht und Versuchte sich für den. Besseren, für den Journalisten einzusetzen. Paczensky, der kein Wanderer über den Wolken ist, wußte von Anfang an, daß wegen der Sturheit und Inkompetenz der entscheidenden Männer und Frauen seine Attacken wirkungslos bleiben würden. Aber er hielt es für seine Pflicht zu warnen. Doch auch seine Kollegen in den Anstalten rümpften die Nase und meinten herablassend: „Na, ja, der alte Pacz!“

Der Pacz. Ich gestehe freimütig, daß ich ihn mag und ihn schätze. Gäbe es mehr Figuren seines Kalibers, so stünde es um Funk und Fernsehen besser. Solange Leute wie Pacz den Sells und Schröders, den Jenkes und Hilfs, den Hases und Vöths – die Latte der öffentlich-rechtlichen Fernsehsünder ist zu lang, um sie hier in Gänze auszubreiten – nicht Beine machen, ist in Sachen öffentlich-rechtliches Fernsehen kein Silberstreifen am Horizont zu sehen.

Pastete und Stahlkrise

Es ist erfrischend, Pacz zuzuhören. Beim Thema Fernsehen sprudelt es nur so aus Pacz heraus, seine lustigen Augen sind hellwach. Geschichten über Geschichten. So witzig und satirewürdig sie sein mögen, es sind wahre Geschichten, traurige Geschichten über „das öffentlichrechtliche Komplott oder nehmt dem Staat das Fernsehen weg“. So lautet denn auch der Titel seines jüngsten Buches, das dieser Tage erscheint.