Wimbledon, Flushing Meadow, Rom, Paris – in die Liste der Orte, durch die die internationale Tennis-Karawane zieht, gehört seit einiger Zeit auch der Name einer 30 000 Einwohner zählenden Gemeinde vor den Toren Stuttgarts: Filderstadt. Seit 1978 veranstaltet der Drogist Dieter Fischer hier ein Grand Prix-Turnier. Mit einer Preissumme von 125 000 Dollar ist es das höchstdotierte Damen-Tennisturnier auf dem Kontinent.

Autobahnausfahrt Stuttgart-Flughafen. Drüben, wo es leicht hügelig wird, liegt Filderstadt. Am Horizont, oben auf den Fildern, bestimmen ein paar Hochhäuser die Silhouette. Sie gehören zum Ortsteil Plattenhardt. Ein grünes Plateau aus Wiesen und Wald, ein paar Sportplätze, eine Tennishalle – die Idylle der kleinen Welt der Plattenhardter Freizeitsportler bestimmt das Bild abseits der Hochhäuser.

Einmal im Jahr weicht die beschauliche Ruhe einer hektischen Betriebsamkeit. Dann sind die Parkplätze hier oben überfüllt, Sportwagen und Limousinen verstopfen die Zufahrtsstraßen zur Tennishalle. Das letzte Stück des Weges ist für V.I.P.s only frei; eine provisorische Schranke gebietet allen anderen Halt. Hinweisschilder, weiße Schrift auf rotem Grund, auf die man überall in Plattenhardt in diesen Tagen trifft, liefern die Begründung: „Porsche Tennis Grand Prix“. Eine Woche lang stülpt der kleine schwäbische Ort über seine provinzielle Biederkeit das Flair der großen Tennis-Welt.

Zum vierten Male – diesmal vom 3. bis 9. November – geht es um Dollar-Preisgeld und Sportwagen. Als der Geschäftsmann und gelernte Drogist Dieter Fischer 1978 die Idee hatte, gewissermaßen in der Tennis-Diaspora ein Turnier für die weitbesten Spieler zu organisieren, wurde er mehr belächelt als bestaunt. Der erste Versuch freilich ließ sich nicht schlecht an. Fischer machte aus seiner eigenen und aus der Tasche des Sponsors Porsche 35 000 Dollar (und einen Renner vom Typ 924 Turbo) locker, was zwar noch nicht alle Tennis-Größen anlockte, aber immerhin schon die seinerzeit 15jährige Tracy Austin, das „Tennis-Wunderkind“. Der Teenager gewann prompt, nahm Gage und Sportwagen mit und ist als Goldfisch seitdem fest an Fischers Angel. Diesmal tritt das Mädchen mit dem Pippi-Langstrumpf-Gesicht als Weltranglisten-Erste zum Kampf um die nunmehr 125 000 Dollar Preisgeld an.

Filderstadts Weg zu internationaler Anerkennung – das letztjährige Turnier wurde von der Women Tennis Association mit dem Preis für die gelungenste Veranstaltung der Saison ausgezeichnet – führte, freilich über einige Schlaglöcher. Ärger bekam der ehemalige Fußball-Profi Dieter Fischer schon, als er vor einigen Jahren beschlossen hatte, sich mit einem Eigenkapital von 120 000 Mark in das 3,6 Millionen teure Hallenprojekt zu stürzen. Denn kaum war bekannt geworden, was da hoch auf den Fildern entstehen sollte, bildete sich eine Initiative von Umweltschützern, die den Bau zu verhindern versuchte. Doch Fischer gründete selbst eine Bürgerinitiative „Pro Halle“ und mobilisierte binnen kurzer Zeit 6000 Tennis-Fans gegen die 1100 Unterschriften der Hallengegner. Gemeinderat und -verwaltung zeigten sich beeindruckt: Sie stimmten dem Bau zu.

Als die Halle stand, nahm Fischer nochmals Geld auf, ließ einen mit Sitzreihen umgebenen Centre Court bauen und verpflichtete zur Eröffnung 1977 vier Stars zu einem Showturnier: Mark Cox, Charlie Pasarell, Jeff Borowiak und Ray Moore. Die schlugen sich zwei Tage lang die Bälle um die Ohren und dem Veranstalter ein Loch in die Kasse. 25 000 Mark Verlust blieben unterm Strich.

Fischer, einmal vom Tennisbazillus infiziert, ließ sich nicht abschrecken und versicherte sich für den nächsten Versuch im Jahr darauf finanzieller Unterstützung durch das Haus Porsche. Die ursprüngliche Absicht, das erste Filderstädter Grand Prix-Turnier mit den Assen unter den Herren der Schöpfung auszutragen, ließ sich dann freilich nicht realisieren; die Herren hatten keinen genehmen Termin frei. Als statt dessen ein Damen-Turnier offeriert wurde, griffen die Schwaben kurzerhand zu. Im Oktober 1978 war es dann soweit. Tracy Austin kam und siegte – und Fischer, der vom 35 000 Dollar-Preisgeld knapp ein Drittel aus eigener Tasche zu finanzieren hatte, mußte am Ende erneut zusetzen.