Großer Renner der Saison mit Stehvermögen für wenigstens fünf Jahre: So hoffnungsvoll schätzt die ansonsten von Stagnation und Verlusten arg geplagte „Lust“-Elektronikbranche ihr jüngstes Produkt ein – den Videorecorder. In diesem Jahr werden die Kunden über 400 000 der neuen Spielzeuge nach Hause tragen – mehr als zweimal soviel wie 1979. Und mit Traumraten von fünfzig Prozent und mehr soll es weitergehen.

Da scheint es nur logisch, wenn der Branchenführer Grundig, bislang noch der einzige Produzent solcher Geräte in der Bundesrepublik, „die größten Erwartungen“ auf diesen expansiven Markt setzt. Das klingt nach saftigen Gewinnen, die Grundig auch bitter nötig hat.

Doch diese schöne Vision hat wenig Aussicht, wahr zu werden. Denn die japanischen Konkurrenten werden das fast zwangsläufig verhindern. Die Nippon-Firmen haben allein in diesem Jahr ihre Produktion auf 4,6 Millionen Videorecorder verdoppelt. Und obwohl sie damit alle Märkte der Welt beschicken und längst auch das Gros der deutschen Nachfrage befriedigen – der Ausstoß ihrer Fabriken stieg noch schneller als der Absatz.

Der Preiskampf ist damit programmiert. Und nach der alten Regel, große Produktion bedeutet geringe Kosten; haben die Japaner dabei einen erheblich größeren Spielraum nach unten. Auch wenn es die Grundig-Fabrik demnächst auf eine Viertelmillion Videorecorder pro Jahr bringen wird – Gewinne sind eher unwahrscheinlich.

üth