Seit 1946 haben sich britische Nazi-Sympathisanten und Rechtsextremisten in Dutzenden von neofaschistischen Bündnissen organisiert. Sie alle boten dasselbe trostlose Bild: geheime Treffen, paramilitärische Manöver, Propagandaliteratur, Hitler-Geburtstagsfeiern und – zumal antisemitischer – Terrorismus. Die Führung der wichtigsten englischen rechtsextremistischen Partei, der „National Front“, lag stets in den Händen eingestandener Nationalsozialisten. Und seitdem die Wahlerfolge der „National Front“ ausblieben, nahmen die terroristischen Anschläge neofaschistischer Vereinigungen zu.

Verschiedene englische Organisationen, vor allem die „League of St. George“ und „Brigade 88“, unterhalten enge Verbindungen zum Kontinent. Auf Kongressen der englischen Nazis sah man „deutsche Kameraden“ wie zum Beispiel Manfred Roeder. Anderen deutschen Gesinnungsgenossen wurde auf der Flucht vor der Gerichtsbarkeit in England Unterschlupf gewährt. In den letzten fünf Jahren häuften sich die Beweise, daß die englischen Neonazis mit der italienischen „MSI“, der „Wehrsportgruppe Hoffmann“, den türkischen „Grauen Wölfen“, Frankreichs rechtsradikalen Gruppierungen „Fane“ und „Grece“ eng zusammenarbeiten – gemeinsam wurden Terrortechniken ausgearbeitet; „brüderlich“ teilte man Waffen und Informationen.

Der aktive Rechtsextremismus hat in England seit zwei Jahren Saison. So bekannte sich die „Brigade 88“ im Jahre 1978 zu Briefbombenanschlägen auf das Hauptquartier der Kommunistischen Partei und auf linke Buchgeschäfte. Der Name der Brigade ist übrigens ein Code: „88“ signalisiert „HH“ (Heil Hitler) – H ist der achte Buchstabe des Alphabets.

Einige der prominenten Neonazis können auf alte Verbindungen zum Kontinent zurückblicken. Seit einem Jahrzehnt drucken zum Beispiel Tony und Alan Hancock nicht nur englische, sondern auch deutsche, holländische und amerikanische Propagandaliteratur. 1968 und 1970 waren sie die Gastgeber eines Treffens der „Nordischen Liga“. Auch unterstützten sie eine „Gesellschaft zur Reinhaltung der Rasse“, die sich im „Heidelberg Hotel“ in Brighton zu treffen pflegte. Die Hancocks sind Mitglieder der „National Front“.

Diese Liga behauptet, 5000 Mitglieder in ganz Europa zu haben. Sie wurde 1957 unter dem Emblem des Hakenkreuzes gegründet.

Unterstützt wird der internationale Neonazismus in England außerdem von der „British National Party“, der „National Socialist Party“ und der „World Anti-Communist League“. Doppelmitgliedschaften in diesen Organisationen sind die Regel.

Englische Rechtsextremisten haben deutschen Neonazis bei Gelegenheit Unterschlupf geboten: So reiste Manfred Roeder auf seiner Flucht vor den deutschen Justizbehörden 1978 mit einem falschen Paß in England ein, wo er von einem gewissen Rod Roberts aufgenommen wurde. In diesem Sommer gewährte die „League of St. George“ Willi Krause, einem Mitglied der „Wehrsportgruppe Hoffmann“, Schutz vor den Nachforschungen von Interpol.