Frankfurt am Main

Während im... dieses oder jenes im Gange ist, geschieht in... dieses oder jenes. So fangen viele Geschichten an. Auch eine aktuelle Story über den Rhein-Main-Flughafen und die benachbarte US-Air-Base fängt so an. Nämlich: Während in Teheran das iranische Parlament hinter verschlossenen Türen darüber verhandelte, was nun aus den 52 Amerikanern werden soll, die seit einem Jahr als Geiseln festgehalten werden, montierten auf den Dächern des Frankfurter Flughafens Technikerkolonnen die Kamerabatterien für Amerikas TV-Unternehmen ABC, NBC, CBS und CNN.

Die Meldungen aus der persischen Hauptstadt und die Reflexionen aus den Vereinigten Staaten haben einige Hundert Journalisten aus allen Teilen der Erde in Bewegung gesetzt. Die gegen Fluglärm sorgsam abgesicherte Sheraton-Herberge bekam mit ihren 1000 Betten, in Sichtweite zum Ort eines möglichen Geschehens, unerwartete zusätzliche Gäste. Dafür mußte man allerdings in Kauf nehmen, daß über die dezenten Teppichböden jede Menge Kabel verlegt wurde. Das Auge der US-Television wurde vorbereitet, über Satelliten, zu welcher Tageszeit oder Nachtstunde auch immer, die Heimkehr der Geiseln auf die Bildschirme in Amerikas Wohnstuben zu projizieren. Die Fernsehanstalten versichern, ihre Berichterstattung vor Ort in Frankfurt werde an Bedeutung der Information über die Präsidentschaftswahlen kaum nachstehen.

„Wir warten auf den Tag X“, sagen dagegen gelassen die Verantwortlichen im US-Sektor der Rhein-Main-Region, wo man nicht mit dem weltpolitischen Aspekt des Unternehmens belastet werden will. „Das ist Sache des Außerministeriums. Wir sind jederzeit einsatzbereit“, wird auf Anfrage versichert. Der Betrieb laufe völlig normal. Die Flugbesatzung und das ärztliche Personal der Sanitätsstaffel seien stets und ständig bereit. Schließlich sei man nicht ohne Erfahrung bei der Bewältigung von Notfällen. Es wird darauf verwiesen, wie reibungslos der Transport und die sofortige medizinische Betreuung des erkrankten Botschaftsangehörigen Richard Queen im Sommer dieses Jahres funktioniert habe.

Die Gelassenheit auf Rhein-Main hat noch einen ganz banalen Grund: die Zeitkomponente. „Die Flugzeit zwischen Teheran und Frankfurt von etwa sechs Stunden bietet genügend Spielraum für Vorbereitungen.“ Wobei sich alle Prognosen, der Weg der amerikanischen Geiseln werde über Frankfurt führen, lediglich darauf stützen, daß man auch in Teheran im Falle X davon ausgehen würde, der Rhein-Main-Region aus Gründen der publizistischen Effektivität und der medizinischen Betreuung den Vorzug zu geben.

Gerhard Ziegler